Amtmann Stehle gehört zu Berg, für immer untrennbar verbunden.
Ludwig Stehle fühlte sich selbst untrennbar mit seinem Berg verbunden. Er
durfte es mitgestalten, es war sein Beruf, seine Berufung.
1925 trat er als Lehrling seinen Berufsweg bei der Gemeinde Berg an.
1928 wurde er als Assistent in den Dienst seiner Gemeinde übernommen. 1931
legte er mit Erfolg die Prüfung für den mittleren Staatsdienst ab.
1933 folgte die Beförderung zum Gemeindesekretär. 1938 wurde er
zum Beamten auf Lebenszeit ernannt
Seine Amtszeit als Verwaltungs-Inspektor ab dem 01.04.1939 konnte er nur kurz
ausüben.
Mit der Einberufung zum Kriegsdienst am 26.08.1939 wurde seine Tätigkeit
für Berg unterbrochen. Er war als Soldat in Stalingrad und hatte mit seiner
schweren Verwundung die Gnade, als einer der Letzten aus dem Kessel ausgeflogen
zu werden. Nach Heilung folgte 1941 ein Dienstjahr in der Zivilverwaltung
Lothringens als Verwaltungschef von 9 Gemeinden und ab 1942 noch einmal
Kriegsjahre als Soldat. Mit Ende seiner 3-monatigen russischen Gefangenschaft
kehrte Ludwig Stehle am 26.08.1945 nach Berg zurück und nahm sofort seine
Tätigkeit als Inspektor wieder auf.
1965 Ernennung zum Oberinspektor. Die Gemeinde zählt zu diesem Zeitpunkt
1533 Einwohner und weist 331 Arbeitsplätze auf.
1971 folgt die längst fällige Ernennung zum Amtmann
Am 31.12.1972 endete für Amtmann Ludwig Stehle die Dienstzeit, nach 47
Jahren Tätigkeit für die Gemeinde Berg und 3 Monaten für die 1972
gebildete Verbandsgemeinde.
Seine Arbeit war geprägt von persönlicher Bescheidenheit und
Zurücknahme, in der "zweiten Reihe'" fühlte er sich wohl und
stark. Als er am 27.Oktober 1933 zum Sekretär ernannt wurde, verzichtete er
zunächst auf die angemessene Besoldung, da ... sich die Gemeindekasse in
keinem günstigen Zustand befand.
Der Beförderung zum Amtmann hatte er sich lange entzogen. Da er sah, dass
das Geld für weitere Angestellte fehlte bzw. besser verwendet werden konnte,
hat er als geschäftsführender Beamter der Gemeinde Berg
überwiegend allein die Verwaltung ausgeübt, auf Weisung der jeweiligen,
ehrenamtlich tätigen Bürgermeister. Von 1954 bis 1974 war er
nebenamtlich Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasserversorgung
Berg-Neuburg. Dass er seine Arbeit schnell erledigen konnte, hatte er bereits
1929 unter Beweis gestellt. In diesem Jahr hat der junge Ludwig Stehle vier
1.Preise in Kreis- und Bezirkswettschreiben erhalten.
1968 führte die zu große Belastung jedoch zu gesundheitlichen
Zusammenbrüchen. Der deswegen drohenden vorzeitigen Pensionierung hat er
sich erfolgreich entzogen. Er selbst schrieb damals an Bürgermeister Otto
Fried: " ... nach dem ich nur einen Erschöpfungszustand hatte und jetzt
übrigens gut aussehe, solle ich bis zum 62.Lebensjahr durcharbeiten ..."
Die "Alleinherrschaft" in der ausführenden Verwaltung hatte
aber auch ihre Problemseiten. Vertrat er als Person doch ganz allein das Recht
gegenüber seinen Mitbürgern. Und nicht alle hatten das notwendige
Verständnis für daraus abgeleitete, keineswegs persönlich gemeinte
Ablehnungen von Anträgen und Dergleichen. Er fühlte Verantwortung und
Fürsorgepflicht für alle Berger Bürger. So gibt es die Anekdote
von einem Bauwilligen, der von ihm abgewiesen wurde, da ... er sich das
finanziell doch gar nicht leisten könne. Die Empörung war
natürlich groß, aber offensichtlich auch der Anreiz es trotzdem zu
schaffen, es gelang.
Ludwig Stehles unermüdliches Wirken für sein Berg wird
charakterisiert durch weitere Aktivitäten: als Berichterstatter für die
Regionalzeitung und als Chronist seines Dorfes. Mehr als 40 Jahre schrieb er
aktuelle Artikel für die Rheinpfalz. Erst als er in den 80er Jahren
Gehörprobleme bekam und, typisch für ihn, nicht mehr aus der letzten
Reihe, im Hintergrund stehend berichten konnte, stellte er seine Berichtsarbeit
ein.
Neben den lichten Seiten seines Wirkens für die Gemeinde Berg gab es aber
auch dunklere Seiten für Ludwig Stehle, vor allem aber eine große
Enttäuschung. Seine in vielen Stunden sorgfältig und hintergründig
erarbeitete Ortschronik wurde vom Gemeinderat nicht unterstützt. Er hat
nicht aufgegeben. Er hat sie mit Hilfe seiner Familie, seines Schwiegersohns
Seite für Seite selbst gestaltet und im Eigenverlag herausgegeben. Er allein
trug die finanziellen Lasten. Erst später hat der Gemeinderat die Bedeutung
des Werkes anerkannt und die Restexemplare in den Besitz der Gemeinde
übernommen. Wir haben uns dafür entschuldigt. Zur endgültigen
Wiedergutmachung der bedauerlichen Chronikgeschichte hatte er in jüngster
Zeit weitere Genugtuungen erfahren können: Die Chronik wurde 1999 in
unveränderter Form nachgedruckt und beim diesjährigen Kirchbergfest
fand sie ein sehr großes Interesse und viele Käufer. Diese
Internet-Homepage unserer Gemeinde weist auf der ersten Seite auf die Chronik
hin, sie hat dort eine eigenes Kapitel. Sie bleibt in unserem Bewusstsein.
Ludwig Stehle hat sein ganzes Leben in unvergleichlicher Weise in den Dienst
seiner Gemeinde Berg gestellt. Ludwig Stehle hat sich um Berg verdient gemacht.
Im Namen des Verbandsbürgermeisters Dietmar Brand, im Namen der Gemeinde
Berg und in meinem eigenen Namen wünsche und erkläre ich Ludwig Stehle
bleibt in Berg unvergessen, wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Berg, den 31.12.2001
Rainer Gebhard Ortsbürgermeister
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