Nachruf für Ludwig Stehle, Amtmann i.R.
verstorben am 27.12.2001


Amtmann Stehle gehört zu Berg, für immer untrennbar verbunden. Ludwig Stehle fühlte sich selbst untrennbar mit seinem Berg verbunden. Er durfte es mitgestalten, es war sein Beruf, seine Berufung.

1925 trat er als Lehrling seinen Berufsweg bei der Gemeinde Berg an.
1928 wurde er als Assistent in den Dienst seiner Gemeinde übernommen.
1931 legte er mit Erfolg die Prüfung für den mittleren Staatsdienst ab.
1933 folgte die Beförderung zum Gemeindesekretär.
1938 wurde er zum Beamten auf Lebenszeit ernannt

Seine Amtszeit als Verwaltungs-Inspektor ab dem 01.04.1939 konnte er nur kurz ausüben.

Mit der Einberufung zum Kriegsdienst am 26.08.1939 wurde seine Tätigkeit für Berg unterbrochen. Er war als Soldat in Stalingrad und hatte mit seiner schweren Verwundung die Gnade, als einer der Letzten aus dem Kessel ausgeflogen zu werden. Nach Heilung folgte 1941 ein Dienstjahr in der Zivilverwaltung Lothringens als Verwaltungschef von 9 Gemeinden und ab 1942 noch einmal Kriegsjahre als Soldat. Mit Ende seiner 3-monatigen russischen Gefangenschaft kehrte Ludwig Stehle am 26.08.1945 nach Berg zurück und nahm sofort seine Tätigkeit als Inspektor wieder auf.

1965 Ernennung zum Oberinspektor. Die Gemeinde zählt zu diesem Zeitpunkt 1533 Einwohner und weist 331 Arbeitsplätze auf.

1971 folgt die längst fällige Ernennung zum Amtmann

Am 31.12.1972 endete für Amtmann Ludwig Stehle die Dienstzeit, nach 47 Jahren Tätigkeit für die Gemeinde Berg und 3 Monaten für die 1972 gebildete Verbandsgemeinde.

Seine Arbeit war geprägt von persönlicher Bescheidenheit und Zurücknahme, in der "zweiten Reihe'" fühlte er sich wohl und stark. Als er am 27.Oktober 1933 zum Sekretär ernannt wurde, verzichtete er zunächst auf die angemessene Besoldung, da ... sich die Gemeindekasse in keinem günstigen Zustand befand.

Der Beförderung zum Amtmann hatte er sich lange entzogen. Da er sah, dass das Geld für weitere Angestellte fehlte bzw. besser verwendet werden konnte, hat er als geschäftsführender Beamter der Gemeinde Berg überwiegend allein die Verwaltung ausgeübt, auf Weisung der jeweiligen, ehrenamtlich tätigen Bürgermeister. Von 1954 bis 1974 war er nebenamtlich Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasserversorgung Berg-Neuburg. Dass er seine Arbeit schnell erledigen konnte, hatte er bereits 1929 unter Beweis gestellt. In diesem Jahr hat der junge Ludwig Stehle vier 1.Preise in Kreis- und Bezirkswettschreiben erhalten.

1968 führte die zu große Belastung jedoch zu gesundheitlichen Zusammenbrüchen. Der deswegen drohenden vorzeitigen Pensionierung hat er sich erfolgreich entzogen. Er selbst schrieb damals an Bürgermeister Otto Fried: " ... nach dem ich nur einen Erschöpfungszustand hatte und jetzt übrigens gut aussehe, solle ich bis zum 62.Lebensjahr durcharbeiten ..."

Die "Alleinherrschaft" in der ausführenden Verwaltung hatte aber auch ihre Problemseiten. Vertrat er als Person doch ganz allein das Recht gegenüber seinen Mitbürgern. Und nicht alle hatten das notwendige Verständnis für daraus abgeleitete, keineswegs persönlich gemeinte Ablehnungen von Anträgen und Dergleichen. Er fühlte Verantwortung und Fürsorgepflicht für alle Berger Bürger. So gibt es die Anekdote von einem Bauwilligen, der von ihm abgewiesen wurde, da ... er sich das finanziell doch gar nicht leisten könne. Die Empörung war natürlich groß, aber offensichtlich auch der Anreiz es trotzdem zu schaffen, es gelang.

Ludwig Stehles unermüdliches Wirken für sein Berg wird charakterisiert durch weitere Aktivitäten: als Berichterstatter für die Regionalzeitung und als Chronist seines Dorfes. Mehr als 40 Jahre schrieb er aktuelle Artikel für die Rheinpfalz. Erst als er in den 80er Jahren Gehörprobleme bekam und, typisch für ihn, nicht mehr aus der letzten Reihe, im Hintergrund stehend berichten konnte, stellte er seine Berichtsarbeit ein.

Neben den lichten Seiten seines Wirkens für die Gemeinde Berg gab es aber auch dunklere Seiten für Ludwig Stehle, vor allem aber eine große Enttäuschung. Seine in vielen Stunden sorgfältig und hintergründig erarbeitete Ortschronik wurde vom Gemeinderat nicht unterstützt. Er hat nicht aufgegeben. Er hat sie mit Hilfe seiner Familie, seines Schwiegersohns Seite für Seite selbst gestaltet und im Eigenverlag herausgegeben. Er allein trug die finanziellen Lasten. Erst später hat der Gemeinderat die Bedeutung des Werkes anerkannt und die Restexemplare in den Besitz der Gemeinde übernommen. Wir haben uns dafür entschuldigt. Zur endgültigen Wiedergutmachung der bedauerlichen Chronikgeschichte hatte er in jüngster Zeit weitere Genugtuungen erfahren können: Die Chronik wurde 1999 in unveränderter Form nachgedruckt und beim diesjährigen Kirchbergfest fand sie ein sehr großes Interesse und viele Käufer. Diese Internet-Homepage unserer Gemeinde weist auf der ersten Seite auf die Chronik hin, sie hat dort eine eigenes Kapitel. Sie bleibt in unserem Bewusstsein.

Ludwig Stehle hat sein ganzes Leben in unvergleichlicher Weise in den Dienst seiner Gemeinde Berg gestellt. Ludwig Stehle hat sich um Berg verdient gemacht. Im Namen des Verbandsbürgermeisters Dietmar Brand, im Namen der Gemeinde Berg und in meinem eigenen Namen wünsche und erkläre ich Ludwig Stehle bleibt in Berg unvergessen, wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Berg, den 31.12.2001

Rainer Gebhard Ortsbürgermeister