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Zeitzeugenberichte zum Ende des 2. Weltkrieges
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Chronik der Jahre 1900 - 1978
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Stubenputz zu Opas und Omas Zeiten
Zwischen unserer modernen Raumpflege und dem früheren Saubermachen liegt ein himmelweiter Unterschied. Die Älteren unserer Generation haben es noch in guter Erinnerung und deshalb sollte diese Art von Hausputz vor 60 Jahren nicht so aus der Vergangenheit gedrängt werden, als wäre sie nicht gewesen. Mit unsern Augen gesehen ohne Zweifel eine seltsame Reinigungsmethode: Nachdem der Holzboden eines Raumes mit warmem Wasser und Kernseife weiß, oder doch zumindest hell gebürstet worden war, hat man darauf eine dünne Schicht roten Sand gestreut. Das war dann die gute Stube. Dem Lieferant des Stubensandes, Sandmann genannt, war es nicht zu weit, die Kunden zu seiner Sandgrube zu führen, um Sie für drei Pfennig ein Körbel Sand füllen zu lassen. Grabgebühren Die Grabgebühren in Höhe von 10 Mark je Grab sind von 1886 bis Mai 1902 nur von der Kirchenkasse erhoben worden. Von da ab wurde die Grabgebühr in der Weise neu aufgeteilt, dass je eine Hälfte der Gemeinde- und Armenkasse zufiel. Die Armenkasse war damals noch eine selbstständige Wohlfahrtseinrichtung und hatte ihr eigenes Gremium, das mit spärlichen Mitteln über Wohl und Weh der Armen entschied. Die Hälfte an der Grabgebühr war eine der wenigen Einnahmen; zu wenig, um die Not in den Griff zu bekommen, um helfen zu können. Totengräber Ein billiger Unternehmer von Gemeinderats Gnaden war der Totengräber. Für ihn hat das Ratskollegium mit Beschluss vom 21.12.1902 als Lohn für die Anfertigung eines Erwachsenengrabes 2,50 Mark, für ein Kindergrab 1,50 Mark festgesetzt. Im Jahr 1902 hatte Berg bei 1002 Seelen 29 Sterbefälle, darunter 15 Erwachsene und 14 Kinder. Die örtliche Krankenversicherung Im Rahmen der Statuten waren für die Berger Versicherten und Kranken zuständig: Dr. Schweickert aus Lauterburg als Krankenarzt, die Lauterburger Apotheke und das Distriktkrankenhaus Kandel. 1901/02 gab es zwischen den beiden Lauterburger Ärzten einen Zulassungstreit. Der Gemeinderat hat sich für Dr. Schweickert entschieden, aber aus Kulanz die liquidierte Jahresrechnung von Dr. Piccard auf die Krankenversicherung auch übernommen. Der örtlichen Krankenversicherung gehörten 1907 an: 1. die Zigarrenfabrik Berg mit 51 Versicherten Das Beitragsaufkommen aller 93 Versicherten bestand in 280 Mark im Vierteljahr, fast soviel wie heute ein einzelner im Monat bezahlen muss. Über Kassenleistungen hatte der Gemeinderat zu befinden. So hat er gemäß seiner Statutenzuständigkeit mit Beschluß vom 13.9.1903 den Wöchnerinnen für die Dauer der durch das Wochenbett bedingten Erwerbsunfähigkeit, das waren 10 Tage eines normalen Kindbettes, Krankengeld gewährt, dieses aber wieder am 19.1.1905 annulliert. Das tägliche Krankengeld eines Versicherten lag zwischen 0,50 und 1 Mark. Demgegenüber betrug der Beitragssatz zur Krankenversicherung 3% des ortsüblichen Taglohnes, das waren 32 Pfennig für Erwachsene und 18 Pfennig für Jugendliche in der Woche. Von den insgesamt 93 Versicherten wurden 1907 die folgenden Leistungen in Anspruch genommen: 12 Personen erhielten zusammen 358,45 Mark Krankengeld, die Ärzte für 13 behandelte Patienten 120,60 Mark, für Arznei und Heilmittel fielen 97,61 Mark an und ein Versicherter lag für 42,50 Mark 18 Tage lang im Krankenhaus. Schließlich hat der approbierte Bader Peter Mühl aus Hagenbach 15 Mark für 15 gezogene Zähne erhalten. Honorare an Zahnärzte für Plomben, Zahnkronen oder Prothesen finden sich keine. Waren die Versicherten darin Selbstzahler oder haben sie alle ihre Zahnlücken als kleine Schönheitsfehler verbissen in Kauf genommen? Gemeinsame Gemeinde- und Kircheninteressen Am 19.4.1903 kam zwischen der Gemeinde und dem Fabrikrat (heute die Kirchenverwaltung) der katholischen Kirche von Berg folgende Vereinbarung zustande: Die Pl. Nr. 282 (Kirche) und die Pl. Nr. 283 (Hanglage) bleiben mit Rang von 1790 Eigentum der katholischen Kultusgemeinde. Diese Vereinbarung regelte u. a. auch den Eingang durch die Mühle zum Waschhaus, die Benutzung der Treppe vom Waschhaus zum Kirchberg und die Treppe zum Unterdorf. Sie regelte weiterhin das herkömmliche politische ortsübliche Geläute, die Gemeindeuhr auf dem Kirchturm, die Unterhaltung des Kirchturms, die Aufgänge zum Turm und schließlich die Gewährung eines Gemeindeanteils von circa dreifünftel der Kosten beim Bau eines neuen Glockenturmes. Im Gemeinderatsbeschluss vom 21.3.1913 fand die Vereinbarung von 1903 ihre erneute Bestätigung, wenn auch nur mit der nominellen Änderung, dass nicht die katholische Kultusgemeinde, sondern die katholische Kirchenstiftung als Eigentümer im Grundbuch einzutragen war. Mit Beschluss vom 13.6.1926 hat die Gemeinde auf das Eigentumsrecht an der kleinen Glocke verzichtet, jedoch unter Vorbehalt dessen, dass das politische übliche Geläut gestattet bleibt. Honorar der Chordirigenten Wegen des 50 Mark-Honorars des Chordirigenten der Kirche gab es 1905 einen lokalen Streit zwischen dem Kirchenfabrikrat und dem Gemeinderat. Dieser hat das Jahreshonorar im Voranschlag der katholischen Kirche gestrichen. Er wollte damit keineswegs die Notwendigkeit des Chorgesanges bestreiten, sondern die Zahlung dieser 50 Mark als eine finanzielle Verpflichtung auf die Mitglieder des Kirchengesangvereins übertragen sehen. Mit ihrem daraufhin getroffenen Rechtsbeschluss hat die Regierung der Pfalz in Speyer am 4.11.1905 entschieden, dass die Kosten des Gottesdienstes zu den Aufgaben der Kirche gehört, mithin auch der Dirigent. Das war richtig so, denn eine Kirche ohne Orgel oder Gesang wäre soviel wie eine Kerwe ohne Tanzmusik. Zweites Bahngleis Wörth-Lauterburg Am 23.2.1906 hat die Gemeinde der Pfalzbahn, wie ihr Name war, das zur Erbauung des zweiten Gleises benötigte Gemeindeland abgetreten, um die Strecke Wörth-Lauterburg zweigleisig anlegen und befahren zu können. Jagdverpachtung Jagdverpachtungen scheinen schon immer in sich einen faulen Kern getragen zu haben. Anlass zu einer Beschwerde gegen die bereits vom Bezirksamt Germersheim genehmigte Wörrjagdverpachtung zur Kreisregierung in Speyer war für die Gemeinde im Jahr 1907 gegeben. Der Gemeinderat begründet seinen Beschluß wörtlich so: "Da die Jagd in keinem einzigen pfälzischen Blatt zur Veröffentlichung kam, konnten infolge dessen keine fremden Jagdinteressenten erscheinen, was die später erfolgte Nachfrage bezüglich der Jagdverpachtung beweist. Durch eine rege Beteiligung an der Jagdverpachtung wäre auch ganz bestimmt ein höherer Preis erzielt worden." Gestützt hat der Gemeinderat seinen Einspruch darauf, dass das zur Begutachtung der Jagd eingeschaltete Forstamt Kandel die Bonität der Jagd nicht kannte und insoweit dem Bezirksamt als Genehmigungsbehörde einen unter ihrem Wert liegenden Pachtschilling empfohlen hat. Auf dem Spiel stand für die Gemeinde ein Mindererlös von 500 Mark, die - so der Gemeinderat - doch in unserer Gemeinde nicht in den Wind zu werfen sind. Man darf daraus lesen, dass die Gemeinde auch vor 70 Jahren schon ihre Interessen zu wahren verstand. Schrittfahren im Ortsverkehr Wie ernst der Gemeinderat den Straßenverkehr bereits im Jahr 1908 nahm erhellt aus seiner Beschlussanordnung vom 4. Oktober, durch die er die Fuhrwerke (Autos gab es noch keine) verpflichtete, an allen scharfen Ecken des Ortes nur im Schritt zu fahren. Höchstwahrscheinlich hat dieser Befehl im engeren Sinne nur für die Pferdegespanne gegolten. Das letzte Verkehrsschild dieser Art aus Holz war noch 1968 an der abgerissenen Scheune des Eugen Mittenbühler in der Bruchbergstraße, wo heute die Sparkasse steht, angebracht. Frische Kirschen Bis in die Jahre nach dem 1. Weltkrieg haben sich die Berger alljährlich auf die Büchelberger Kirschen gefreut. Zur Erntezeit kamen die Büchelberger Selbsterzeuger immer zu uns, um im Straßenverkauf ihre schöne Ware, frisch vom Baum, an den Mann zu bringen. Mit einem handgedrückten Vierradkarren kamen sie quer durch den Bienwald, versteht sich per Fuß. Es war für sie immer ein gutes Geschäft, wenn die großen Wäschkörbe leer verkauft waren. Nicht in allen Familien waren 10 Pfennig vorrätig, um sich ein oder zwei Pfund der saftigen Frucht leisten zu können. Die Büchelberger Handelsleute haben dann aus "Herz" so manchem kleinen Mitläufer oder Dreinschauer eine Portion gratis ins Händchen gedrückt. Danke war die strahlende Antwort. Hochwasserwache In der Heranziehung der Bürger zum Hochwasserschutz hat der Gemeinderat von 1911 kein Pardon gekannt. In einem Beschluss heißt es zum Beispiel u. a.: Wenn ein Mann alle landwirtschaftlichen Geräte persönlich durch das Dorf trägt, verstößt es auch nicht gegen die Standesehre eines hohen Offiziers, wenn er bei der Bewachung der Rheindämme zu einem Rundgang eingeteilt wird. Schnakenbekämpfung Die Schnakenplage und ihre Bekämpfung war, wenn man älteren Akten und Beschlüssen folgt, auch schon in der Vergangenheit ein übles Laster. So hat die Gemeinde bereits am 1.3.1911 eine ortspolizeiliche Vorschrift erlassen, die es den Einwohnern zur Pflicht machte, die getroffenen Anordnungen genau zu befolgen und zwar: Keller ausräuchern, Pfützen und stehende Gewässer zum richtigen Augenblick mit Spritzmitteln sprayn, Wassergefüllte Fässer und Dosen leeren; für Aborte und Dunggruben im Freien ergingen zusätzliche Anordnungen. Im Prinzip damals die gleichen Bekämpfungsmethoden wie heute, Deshalb könnte man die Entwicklung auf diesem Gebiet auch mit Stillstand qualifizieren. Nur ein Unterschied besteht gegenüber 1911: Während durch den Einsatz von Traktoren auf dem Feld das Vieh von der Schnakenqual befreit werden konnte, muss sich, der Mensch von den Kreaturen in Gottes freier Natur weiter stechen lassen. Gemeindewahlen im Kriegsjahr 1915 Wohl in der Hoffnung, dass der im August 1914 begonnene Erste Weltkrieg schon bald zum siegreichen Ende führe, sind die im November 1914 fällig gewesenen Gemeindewahlen im Hinblick darauf, dass viele wahlfähige Bürger eingerückt waren, um eine gewisse Zeit verschoben worden. Da sich aber das Kriegsende doch länger hinauszuziehen schien, erfolgte am 11.4.1915 die Neuwahl des damals aus 14 Mitgliedern bestehenden Gemeinderates. Mäusejahre 1915 und 1918 waren nicht nur Krieges- sondern auch starke Mäusejahre; ein sehr schädliches Mäusejahr war auch 1921. Immer ergingen an die in erster Linie betroffenen Landwirte dringende Appelle zur Bekämpfung der Biester mit Mäusetyphus-Bazillen. Gab es 1915 für jede gefangene und abgelieferte Feldmaus noch einen Pfennig, so waren es 1918 bereits drei Pfennig. Im Jahr 1918 hatte die Gemeinde in ihrem Etat einen Ausgabekredit von 800 Mark ausgewiesen. 1921 zahlte die Gemeinde sogar eine Kopfprämie von 20 Pfennig pro Stück. Wahlen 1919, 1929, 1933 Es ist nicht uninteressant, einzelne Wahlen der Vergangenheit mit ihren Resultaten und Gegebenheiten zueinander in Beziehung zu bringen. Etliche Wahlen haben ihre besondere Akzente. Eine solche war die Volksentscheidung über das Freiheitsgesetz vom 22.12.1929. Von 733 Wahlberechtigten haben 11 ihre Stimme abgegeben. 8 mit ja, 3 mit nein. Die Auszählungszeit durch den Wahlausschuss hat wahrscheinlich 20 Sekunden nicht überschritten. Eine andere Wahl war die zur deutschen Nationalversammlung vom 19.1.1919. Wahlhandlungsdauer von morgens 9 Uhr bis abends 20 Uhr. Um hier die Auszählung ordnungsgemäß zu Ende führen zu können, musste der 8-köpfige Wahlausschuss für sich am 16.1.1919 bei der französischen Ortskommandantur eine Verlängerung der Polizeistunde bis 12 Uhr nachts erbitten. Dieser Ausschuss konnte sicher nicht sein Wahlgeschäft mit dem üblichen Helferschoppen begießen. Dem am 29.4.1933 von NSDAP-Ratsmitgliedern gewählten Bürgermeister hat die Kreisleitung der NSDAP auf Grund des einige Tage vorher in Kraft gesetzten Gleichschaltungsgesetzes die Bestätigung versagt; der Gewählte war wohl zu diesem Zeitpunkt weder ein l00%iger Aktivist noch ein "Alter Kämpfer", wie sich der Kader nannte. Doch bereits am 22.5.1933 war die Nachfolgefrage gelöst. Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung Kurz vor Kriegsende am 24.11.1918 hat der Gemeinderat eine zwölf Mann starke Bürgerwehr aufgestellt, um, wie es im Beschluss heißt, eventuellen Unruhen bzw. Revolten mit Erfolg zu begegnen. Lieferung von Besatzungsheu Der Gemeinderat hat 1919/20 dem Ansuchen der französischen Besatzung auf Lieferung von 50 Zentner Heu nicht entsprochen. Die Ablehnung wurde damit begründet, dass in der Gemeinde selbst eine große Futtermittelknappheit bestehe und die Landwirte außer Stande seien, auch nur die geringste Menge an Heu aufzubringen, es sei denn, sie müssten ihren Viehbestand aufgeben. Hingegen konnte sich der Gemeinderat nicht widersetzen, aus dem Gemeindewald als erste Auflage 60 Ster Brennholz für die Besatzung zu liefern. Zum gleichen Zeitpunkt ist ein Antrag der zwei einheimischen Holzschuhmacher auf Abgabe von je 1 Stamm Erlen für ihren Handwerksbetrieb der Ablehnung verfallen. Karussellplatz 1919 Angesichts der ernsten Lage (Besatzungszeit) hat es der Gemeinderat abgelehnt, den Karussellplatz zu vergeben und Vergnügen zuzulassen; auch auf die Kirchweih 1919 wurde verzichtet. Vereinsgründungen und Vereinswesen a) Fußballverein "Wir kicken" war 1920 das gebräuchliche Wort der Jugend, "sie stolpern" oder rennen dem Ball nach, war meistens der von Ärger begleitete Ausspruch der Alten. Vier Männer haben sozusagen über Nacht den FC Berg 1920 gegründet: Eugen Merk, Ludwig Hoffmann, Ludwig Link und Karl Heil. Es war ein schwerer Start. Schon allein vom Geld her. Doch bald wurde aus den Wenigen eine immer größere Fußballschar, die 1921 die erste aktive Mannschaft auf die Beine stellte. Wo Jugend stürmt gibt es keine Grenzen. b) Musikverein Unter nicht minder schwierigen, ja noch härteren Zeitverhältnissen wurde 1925 der Berger Musikverein ins Leben gerufen. An Stelle der zahlreichen Idealisten soll nur einer genannt werden, der die treibende Kraft, im Gründungsjahr zugleich Vorstand und Dirigent war: Josef Steigleder. Musik machen und anderen eine Freude bereiten war allein das Ideal. Diesem sind sie immer treu geblieben. Was wäre auch eine Dorfgemeinschaft ohne Volksmusik! Welche Lücke hätte unser Kulturleben ohne den Berger Musikverein! c) Überwachung der Vereine - Reichskulturkammer Demokratische Freiheit genießen schlechthin auch die Vereine. Das war nicht immer so. Die Akten von 1936 beweisen das Gegenteil. Theaterspiele bedurften grundsätzlich der Zustimmung von Partei und Staat, damals der Kreisleitung und des Bezirksamtes. So wurde zum Beispiel dem Gesangverein Frohsinn im Dezember 1936 das Volksstück "Schuster Lampe" beanstandet. Freigegeben erhielt dagegen der Gesangverein Eintracht das Laienspiel "Brüder in Ketten". Dieses Theaterstück hatte in jenen Tagen nicht nur seine Symbolik für die, die es aufführten oder sahen, sondern mehr oder weniger für alle Deutschen, besonders aber für jene, die unter der Unfreiheit des Geistes und der Meinung zu leiden hatten. Gehälter und Entgelte während der Inflation Am 9.9.1922 hat der Gemeinderat die Jahresgehälter folgendermaßen festgesetzt: für den Waldhüter auf 26000 Mark, für den Gemeindediener, Feldhüter und Polizeidiener auf je 15000 Mark. Bereits am 15.11..1922 hat er die nur knapp 2 Monate alten Gehälter auf 60000, 40000 und 30000 Mark erhöht, um sie schließlich bereits am 12.8.1923 gleich um Tausend Prozent erneut anzuheben. Das Wartegeld des Faselhalters wurde mit Beschluss vom 12.5.1923 auf 1000 Mark pro Stunde, bei durchschnittlich 3 Stunden auf 3000 Mark pro Tag, am 15. Juli 1923 aber auf 20000 pro Tag festgesetzt. Weil sich die Teuerungsverhältnisse förmlich überschlugen, hat der Faselhalter an Stelle von Geld ab 1.8.1923 den Wert von 4 Liter Milch pro Tag bekommen. Nachdem auch diese Regelung nicht mehr zu funktionieren schien, erhielt er nach dem Stand vom Juli 1923 einen französischen Franken je Kuh. Auf der anderen Seite hat die Gemeinde im Juli 1923 ein Sprunggeld von 30000 Mark, im Oktober aber schon 30 Millionen erhoben. Die Rechnung der Faselhaltung hatte für 1923 folgenden Abschluss: Einnahmen 330 194 670 000,- Mark Die Zeitgenossen der Inflation waren mit diesen 12stelligen Zahlen so vertraut, dass sie selbst jeder Schuljunge auf den ersten Blick lesen konnte. Der Leichenschauer kassierte 1000 Mark im August 1923. Zum Schluss wurde der Totengräber nicht mehr in Geld, sondern mit Holz entlohnt und der Fleischbeschauer kompensierte pro Beschau ein Pfund Fleisch. Die Grabgebühr hat man im Oktober 1923 auf eine Million abgerundet. Bei der Versteigerung von Abfallbohlen der Ziegelbrücke wurden 2390 Milliarden Mark erlöst. So "reich und arm" waren wir Ende 1923. Lustige Gemeinderatssitzung So sehr die Ratssitzungen unserer Zeit je nach Temperament der Herrn Gemeinderäte oft in harte Wortgefechte ausufern, zu Spannungen oder gar zu Spaltungen führen, heute stehen zweifellos auch wichtigere und wuchtigere Punkte auf der Tagesordnung - scheinen die früheren Sitzungen doch in einer etwas humaneren Gangart abgelaufen zu sein. Sieht man die älteren Protokolle ein, haben sich die in einer Abstimmung unterlegenen Kollegen nicht selten in der Weise abreagiert, dass sie ohne ihre übliche Unterschriftsleistung die Sitzung vorzeitig verlassen haben. Die Sitzung vom 26.4.1922 hat indessen ihre besondere Note, die man nicht ohne schelmisches Lächeln quittieren kann. Darin heißt es: "Auf vorschriftsmäßige Einladung zur Erledigung von 6 Punkten der Tagesordnung versammelte sich der Gemeinderat im Sitzungssaal zur festgesetzten Stunde 8 1/4 Uhr. Da der Bürgermeister 20 Minuten später mit einem Schwips ankam, verließen die Gemeinderäte bis auf drei das Sitzungslokal." Die Sitzung ist vertagt und 1 Woche später nachgeholt worden. Die Welt ging aber deshalb nicht unter. Sonntäglicher Bahnschutz Sicherlich eine Forderung der Besatzung vollziehend hat die Gemeinde für die Zeit vom 1.11.1923 - 1.1.1924 in der Person von Arbeitslosen einen sonntäglichen Bahnschutz stellen müssen. Die amtlich festgesetzte Entschädigung pro Kopf und Sonntag bestand in 70 Pfennig und wurde auf die Arbeitslosenunterstützung nicht angerechnet. Siebzig Pfennig pro Sonntag waren dazumal noch ein wichtiger Nebenverdienst. Auf- und Abwertung nach der Inflation Obwohl die Aufwertung der Sparguthaben nach der Inflation 1923 erbärmlich gering war, verfügte die Berger Sparkasse sieben Jahre danach immer noch nicht über die von ihr aufzubringende Aufwertungsmasse. Ende 1930 bezifferte sich der Fehlbetrag auf 8125 RM. Lag den Spareinlagen der Sparer ein Aufwertungssatz von 12,5 % zugrunde, wurden die Darlehensschulden der Kreditnehmer auf 25 % abgewertet. Mit anderen Worten: Der Sparer erhielt 12,5 %, der Schuldner aber musste 25 % bringen. Nach einer Aufstellung von 1926 haben 21 Berger Familien bei der Sparkasse im 1. Weltkrieg eine Kriegsanleihe von 70000 Mark gezeichnet; für diese galten wieder andere Aufwertungsspielregeln. Obwohl unsere Generation schon zweimal (1924 und 1948) ihre Ersparnisse verlor, muss man sich immer wieder über den praktizierten Sparwillen wundern. Wie hoch waren die Rentenversicherungs-Beiträge im Dezember 1923 Bei einem Wochenlohn von 1153 Milliarden Mark betrug ein einziger Wochenbeitrag 18 800 Millionen Mark. Im Jahr 1923 hat die für uns zuständige Landesversicherungsanstalt Speyer für die Zeit vom September bis Dezember allein 5 neue jeweils der Inflation angepasste Beitrags-Berechnungstabellen in Druck gegeben; einmal war die Tabelle überholt, bevor sie herauskam. Sind wir nicht wieder bereits ein Stückchen zu weit auf dem gefährlichen Pfad dorthin? Separatistenzeit Die Separatistenperiode 1923/24 hatte auch in Berg für kurze Dauer einen kleinen Hauch von politischem Gehör gefunden, Mit Ratsbeschluss vom 3.11.1923 wurde die damalige "Autonome Regierung der Pfalz" de facto anerkannt, am 16.2.1924 aber bereits die Wiedereinsetzung der gesetzmäßigen Regierung gefordert. Geht man der Ursache etwas näher auf den Grund, so waren es weniger politisch bejahende, sondern mehr grenzbedingte Gründe, die zur kurzfristigen Anerkennung des Regimes in der Pfalz geführt haben: Einmal um den Bergern die Chance zu erhalten, ihr Feld jenseits der Grenze weiter bebauen zu können, zum andern, um die Arbeitsplätze der Grenzgänger im benachbarten Elsaß nicht in Gefahr zu bringen. Eine damals in den Tageszeitungen "Eisenhammer" und "Rheinpfälzer" ausgetragene Kontroverse parierte der mit "fauler Grenzpfahl" angegriffene Bürgermeister unter anderem so: "Der Grenzpfahl ist gesund und blau-weiß ist seine nationale Farbe." Die Pfalz gehörte seinerzeit noch als Regierungsbezirk zum Land Bayern. Elektrisches Licht Die Stromversorgung Berg's kam nicht über Nacht, auch nicht im Rhythmus des Bibelwortes: Es werde Licht und es ward Licht. Vielmehr bedurfte es ab 1917 einer fast dreijährigen Dauer zwischen dem ersten und letzten Anschluss aller Anwesen. Dabei entsprachen die installierten Leitungen einem technischen Einrichtungsstand, wie er gewiss heute keine Zulassung mehr fände. Man muss sich heute eher wundern, dass die frei verlegten Drähte in den Stallungen und Scheunen nicht öfters gezündet haben. In den Jahren 1917-1925 war ein Hans Schlegel der Ortsnetzinhaber, Stromlieferant die Berger Mühle. Natürlich war die Lichtqualität keineswegs mit der von heute vergleichbar. Insbesondere bei Eisgang in den Wintermonaten oder bei Hochwasser - und dies nicht selten - war die Beleuchtung mehr rot-gelber Schein als Licht. Die Brennstellen waren dann im Volksmund sogenannte Funseln. Elektrisches Licht erhielten auf Befehl im Februar 1919 alle Wohnungen der französischen Offiziere, das Casino und die Platzkommandantur der französischen Besatzung. Kosten für 17 Lampen zu Lasten der Gemeinde immerhin 680 Mark. Dieserwegen erging an den Kommandeur der VIII. Armee in Landau General Gerard, ein Antrag um Übernahme eines Kostenanteils zugunsten der Gemeinde. Im April 1925, nach einem langwierigen Rechtsstreit wurde das Schlegel'sche Ortsnetz von den Pfalzwerken abgelöst. Im Jahr 1939 waren in Berg 310 Stromabnehmer, derzeit 794 (1979). Telefoneinrichtung für das Bürgermeisteramt Am 7. Januar 1925 ist für das Gemeindebüro das Telefon beschlossen worden. Zufolge Berger Zustimmungsbeschluss hat die Einnehmerei Hagenbach den Telefonanschluß ein Jahr später erhalten. Berg hatte, wie man vielleicht daraus ableiten könnte, keinen Verbandsgemeindestatus, sondern nur ein Mitsprachrecht als angehörige Gemeinde des Einnehmereibezirks Hagenbach. Soldatengräber des 1. Weltkrieges 1914-1918 Auf den mehr als einem Dutzend Kriegsschauplätzen 1914-18 hatte unsere Gemeinde 38 Gefallene und drei Vermisste zu beklagen. Nach einer Erfassungsunterlage aus dem Jahr 1926 ruhen von den 41 Söhnen der Gemeinde in Todesgemeinschaft auf den Soldatenfriedhöfen folgender Länder: Frankreich 21, Belgien 3, Polen 2, Rumänien 2, Deutschland 1. Die übrigen Kriegstoten liegen in Gräbern anderer Länder. Es ist der Wunsch des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge die Gefallenen und Vermissten nicht pauschal, sondern mit Namen aufzuzählen, Es waren dies: 1914: Fried Eugen, Morgen Josef, Scherrer Heinrich, Klein Emil, Scherrer Eugen, Worst Valentin. Gedenket ihrer. Hagel- und Sturmwetter über Berg Ein schweres, von Sturm begleitetes Hagelgewitter, entlud sich am 19. Juli 1926 nachmittags gegen 17 Uhr über Berg. Die angerichteten Schäden waren enorm. Kein Haus blieb vom Sturm verschont. Drei Schuppen wurden auf den Boden gelegt. Aus dieser Stimmung heraus hat der Gemeinderat in der Sitzung vom 1. September 1926 die Kirchweihmusik abgesagt, seine Entscheidung aber bereits tags darauf wieder rückgängig gemacht. In diesen Jahren war die Kerwe noch ein dörfliches, von Jung und Alt gefeiertes Fest und darauf gestützt wollte die Jugend ihren Kerwetanz haben nach dem Motto: Das Leben geht trotzdem weiter. Drei Berger Fußballplätze Für die Fußballer war es ein steiler und steiniger Weg bis sie ihren heutigen Sportplatz im Gemeindewald endgültig zugewiesen erhielten. In der Sitzung vom 19.3.1925 fiel die Entscheidung, nachdem einige Sitzungen fruchtlos vorausgegangen sind. In der entscheidenden Sitzung haben 4 Ratsherren als Neinsager und Gegner des Fußballsports unter Protest den Saal verlassen. Der Pachtzins betrug 200 RM und musste jahrelang unerbittlich berappt werden. Am 16.5.1926 bei Regen, Schneegestöber und frostigem Wetter war die Platzeinweihung. Der Tagesverzehr an Wein und Bier war weniger als heute in einer Stunde. Ein Zelt oder Clubhaus hat es nicht gegeben, aber trotzdem haben die Getreuen bis zum Schlusspfiff am späten Nachmittag ausgehalten. Sowohl der erste Platz auf der Lauterwiese gegenüber dem Bahnhof als auch der zweite im Kellers-Wässerle (Gewann Bitz) lagen im Lauterbereich und waren bei jedem Hochwasser immer lange Zeit unbespielbar. Es war damals, bei allen drei Plätzen, eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit, dass alle Leistungen, vom ersten Spatenstich bis zum fertigen Tor, nur von den Spielern und Mitgliedern freiwillig erbracht worden sind. Zuschüsse waren unbekannte Begriffe. Leichenwagen Waren es früher Kameraden, Bekannte, Nachbarn oder Vereinsmitglieder die den Dienst als Sargträger vom Sterbehaus zum Friedhof versehen haben, so übernahm ab Juni 1928 ein Leichenwagen mit Pferdegespann und ab Januar 1960 ein Dreirad-Leichenwagen diese Aufgabe. Seit 20. September 1970, nach dem Bau der Leichenhalle, gehört auch diese jahrhunderte alte Praxis und öffentliche Einrichtung der Vergangenheit an. Bei dem heutigen Autoverkehr wären auch die Leichengänge alter Art nicht mehr oder nur schwer durchführbar. Krisenfürsorgeanteile der Gemeinde Eine besondere Art von Arbeitslosenhilfe war in den äußerst kritischen Wirtschaftsjahren um 1930 die sogenannte Krisenfürsorge. Sie war von zeitlich begrenzter Dauer, gewissermaßen ein Übergang bis zu der von Jedermann gefürchteten Aussteuerung. An dem Kostenaufwand war die Gemeinde finanziell beteiligt. Bei nur einem Boudget-Soll von 42000 RM betrug der Gemeindeanteil rund 4000 RM, mithin ein Zehntel des Etats. Angesichts der eigenen Geldarmut in der Gemeindekasse war diese Belastung ein kaum erfüllbares Opfer. Manchmal konnte die Gemeinde ihren Anteil nicht oder nur mit großer Verzögerung begleichen; in diesen Fällen hat das Land die Steuranteile der Gemeinde einbehalten und in Höhe der Rückstände direkt an das Arbeitsamt abgeführt. Für ihre recht kärglich bemessene Arbeitslosenhilfe mussten die Empfänger an zwei Wochentagen öffentliche Arbeiten verrichten; Arbeitszeit von 8-12 und 1-5 Uhr. Es waren sowohl für die Gemeinde als auch für die von der schrecklichen Arbeitslosigkeit Betroffenen wirklich schwere Zeiten. Lehrerwohnhausbau Das Lehrerwohngebäude Haus Nr. 63 in der Ludwigstraße war eine Baumaßnahme des Jahres 1929/30, umfassend drei Dienstwohnungen: I., II. und III. Ordnung. Die Vermietung begann am 1. August 1930; Gesamtbaukosten 34 315 RM. Nach dem Schulrecht war es eine Gemeindepflicht, für die Lehrkräfte den Wohnungsbedarf zur Verfügung zu stellen. Dafür oblag den Lehrern die Residenzpflicht, dass heißt die dienstliche Wohnsitzpflicht am Schulort. Seit 1968 ist diese Regelung aufgehoben. Kriegerdenkmal am Kirchberg Bestehend aus dem Bürgermeister und den Vereinsvorsitzenden hat sich im Jahr 1928 ein Denkmalausschuss konstituiert. Am Sonntag den 9. November 1930 fand unter Mitwirkung aller Ortsvereine die kirchliche und weltliche Einweihung statt. Ansprachen hielten die Pfarrer beider Konfessionen, Pfarrer Rettich, Neuburg und Dekan Amlung, Berg, sowie Bürgermeister Scherrer. Der Feier ging am Vormittag eine Kirchenparade voraus. Aus Mitteln der Gemeinde und hochherzigen Spenden der Bevölkerung wurde das Denkmal finanziert. Sein Standort am Aufgang zum Kirchberg. Die Ehrentafel enthält 38 Gefallene und 3 Vermisste. Baukosten des Denkmals: 3071,97 RM. In der Grundsteinlegungsurkunde heißt es unter anderem: "Es soll ein Wahrzeichen der Dankbarkeit für die tapferen gefallenen Söhne unserer Gemeinde sein. Möge es der Gemeinde und den nachfolgenden Generationen zum Glück und Segen gereichen." Beschäftigung im Elsaß Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren 1930 ff. gleichermaßen für Unternehmer, Handwerker und Arbeitnehmer in unserer Grenzecke miserabel. Das Pfälzische Sägewerk lag still und in den beiden ansässigen Stuhlfabriken hatten nur 10 Mann Arbeit. Von den bereits Ausgesteuerten abgesehen, bezogen durchschnittlich 50 Werktätige Arbeitslosenunterstützung oder Krisenfürsorge. Zum großen Glück fanden um diese Zeit etwa 60 Männer und Frauen eine Erwerbstätigkeit im Elsaß, hauptsächlich in der nahen Kantonsstadt Lauterburg. Für viele war dies eine Rettung. Heute pendeln hunderte von Arbeitskräften aus dem Elsaß herüber zu uns. Wandel der Zeit. Derzeit beziehen 55 der früheren Berger Grenzgänger zu ihrer deutschen auch die französische Arbeiterrente von der LVA Straßburg. Befreiungsfeier Aus Anlass des Abzugs der Besatzungstruppen nach dem 1. Weltkrieg 1914/18 hat im Juli 1930 bei uns eine einfach gehaltene Befreiungsfeier mit einer Ansprache des Bürgermeisters stattgefunden. Die Schulkinder erhielten "Befreiungsbrezeln." In dieser Stunde hat wohl keiner geahnt, dass wir schon nach einigen Jahren erneut in eine viel tragischere Unfreiheit von Diktatur, Krieg und neuer Besatzung taumeln würden. Spritzenhaus Das Baujahr des Spritzenhauses in der Ludwigstraße 48 war 1930/31. Im 1. Stock wurde eine Wohnung eingerichtet, die im April 1932 bezugsfertig geworden ist. Unsere Berger Wehr zählt mit zu den besten und stabilsten im Kreis; sie hat bei Kreiswettkämpfen nicht nur schon immer gut abgeschnitten, sondern wiederholt auch Preise errungen. Einer für alle - alle für einen. Berg hat Grund auf seine Wehr stolz zu sein. Entschädigung für das verlorene Wörrgebiet Ein kleiner Trost für den Verlust des gemeindeeigenen Besitzes von 59 ha im französischen Wörrgebiet, Gemarkung Lauterburg, war der am 27.2.1932 ergangene Bescheid der Verwaltung für Restaufgaben in Berlin; die Entschädigung betrug 24 000 RM. Heute könnte diese Fläche ein schlagreifer Erlenwald oder auch für die Gemeinde als Kiesgrube eine Geldgrube sein. - Folge des Versailler Vertrages von 1920. Einführung von Bettlermarken In den wirtschaftlichen Vorkriegs-Notjahren, die sich in unserer Grenzlage doppelt nachteilig ausgewirkt haben, hat das Bettlerunwesen in einer die Bevölkerung belästigenden Weise so überhand genommen, dass sich der Gemeinderat mit Beschluss vom 10.9.1932 genötigt sah, sogenannte Bettlermarken in verschiedenen Sorten und Werten einzuführen. Die Abwehrmethode war von Erfolg. Straßennamen-Änderungen Schon bald nach der Machtübernahme hatte die NSDAP das Geltungsbedürfnis, zu Lebzeiten den Führer und einige seiner Paladine mit Straßennamen zu ehren, In Berg geschah dies mit den Ratsbeschlüssen vom 22. und 26. Mai 1933. Es wurden umbenannt: die Bruchbergstraße in Adolf-Hitler-Straße 1945 wurden die Umbenennungen wieder hinfällig. Katholische Schwesternstation Eine besondere Einrichtung von großer sozialer Bedeutung war die katholische Schwesternstation mit Kleinkindergarten, Mädchenhandarbeitsschule und Krankenpflege. Als Träger der Gesamteinrichtung, die eine Einheit war, zeichnete der Elisabethenverein. Wohl haben zwei Schwestern bereits im Jahr 1930 im Metz'schen Anwesen in der Ludwigstraße ihre Tätigkeit begonnen, aber die kirchliche Einweihung des Neubaues auf dem Kirchberg fand erst am 15.5.1933 durch den Bischof Ludwig Sebastian statt. Sehr viele Berger haben während der Bauzeit 1931/32 freiwilligen Arbeits- und Fuhrdienst geleistet. Aber auch durch Spenden und andere Leistungen haben sie, ob arm oder reich, spontane Solidarität bewiesen. So zum Beispiel die Benagelung des überdimensionalen Holzkreuzes an den Sonntagen nach dem Gottesdienst. Pro Nagel 10 Pfennig. Erster Spatenstich am 15.8.1931, Grundsteinlegung am 25.9.1931. Bereits am 8.2.1921 hat die Mühle Berizzi das 10,24 ar große Baugrundstück schenkungsweise zur Verfügung gestellt. Dunkle Wolken über dem Kirchberg. Ein rabenschwarzer Tag für das Schwesternhaus war der 15.4.1941, als der Kindergarten durch einen Gewaltakt der NSDAP an die nationalsozialistische Volkswohlfahrt übergeben werden musste. Pfarrer Frank als Vorsitzender des Trägers lehnte es ab, am 30.3.1941 die ergangene Verfügung der Kreisamtsstelle durch Unterschrift zu bestätigen; er hat sich hier, wie auch schon bei anderen Anlässen, mutig gegen Macht und Unrecht gestemmt. Es ist uns in guter Erinnerung, dass gegen ihn wegen seiner energischen Abwehrhaltung zwei Monate Gefängnis verhängt worden sind und nur eine Amnestie ihn im letzten Augenblick vor dem Strafvollzug bewahrte. Wegen Schwesternmangel ist die Krankenpflege bereits im Frühjahr 1973 aufgegeben worden. Die endgültige Auflösung der Schwesterstation war am 31.3.1976. Glockengeläut hat den Schwestern das Abschiedsgeleit gegeben. Wenn Väter und Mütter, die selbst einmal Sprösslinge des Kindergartens waren, den scheidenden Schwestern ein herzliches Lebewohl zuriefen, einen letzten Händedruck gaben oder gar ihren Tränen freien Lauf ließen, so waren all diese Gesten nur Ausdruck geschuldeten Dankes und erwiderter Liebe. In der ganzen Zeit ihres Berger Wirkens hatten wir insgesamt 19 Schwestern. Lauriana und Angeline waren die beiden ersten. Ludwina und Bertholda beschlossen die Reihe. Sie alle haben sich um Berg verdient gemacht. Reservierte Bankplätze in der Kirche Um die dem Bürgermeister, dem Adjunkt und den Gemeinderäten reservierten Bankplätzen in der Kirche in Form von Namensschildern kam es 1933 zwischen der Kirchenverwaltung und dem Gemeinderat eine zeitlang zu gegensätzlichen Auffassungen. Durch die Entfernung der Namensschilder seitens der Kirchenverwaltung fühlten sich die Betroffenen in ihrem "verbrieften Recht" und der drauf aufgebauten Ehre verletzt. Während die Kirchenverwaltung durch Wiederanbringung der Namenstafeln den Frieden herzustellen willens war, haben sich die Herren Ratsmitglieder bereit erklärt, ihrerseits von der Benützung der Bänke wieder Gebrauch zu machen. In der Tat haben sie aber ihr Privileg nicht praktiziert. Wildschaden-Abwehrdienst Im Sommer 1933 haben die Wildschweine in einem Umfang Flurschaden angerichtet, dass sich die Gemeinde gezwungen sah, einen Schwarzwild-Abwehrdienst zu organisieren. In Zweiergruppen wurde die Gemarkung zwischen Berg und Scheibenhardt Nacht für Nacht in der Weise abgeschirmt, dass Wachleute mit den verschiedensten Lärmgeräten, aber auch mit der eigenen Kehle in unregelmäßigen Zeitabständen Krach und Radau geschlagen haben. Eine Entschädigung bekamen die zum Einsatz gekommenen Leute nicht. Es war freiwilliger Dienst in der und für die Gemeinschaft. Sammlungen Wenn man von den in der NSDAP-Aera wiederkehrenden monatlichen Sammlungen für das Winterhilfwerk (WHW) absieht, hat es auch Sammlungen für andere gute Zwecke gegeben. Eine dieser waren die Rotkreuz-Sammlungen. Bei einer örtlichen DRK-Sammlung im Jahr 1935 bestand das Ergebnis in 21,26 RM; heute liegen die Sammelergebnisse im Schnitt bei 550 DM für das DRK. Ehrenkreuzinhaber Auf Grund Verordnung des Reichspräsidenten sind im Jahre 1934 in unserer Gemeinde 148 Frontkämpfer, Kriegsteilnehmer und Kriegerswitwen des 1. Weltkrieges mit dem gestifteten Ehrenkreuz ausgezeichnet worden. Die Frontkämpfer erhielten neben der Urkunde eine sogenannte Frontzulage von monatlich 5 RM. Nicht jeder hat die ihm zuteil gewordene Auszeichnung mit Begeisterung in Empfang genommen oder getragen. Streichholzuhr Eine Streichholzuhr als vollendetes Kunstwerk hat auf seinem erlernten Fachgebiet der Uhrmacher Josef George, Ludwigstraße 46, hergestellt. Drei Monate und drei Wochen, genau vom 15. Mai bis 4. September 1934 hat er als Konstrukteur an ihr gearbeitet. Mit insgesamt 15080 Streichhölzern wurde die Uhr, bestehend aus Gehäuse, Gehwerk, Pendel und Kuckucksruf zusammengesetzt. Sie hatte eine Hohe von 105 cm, eine Breite von 38 cm und eine Tiefe von 26 cm. Auf verschiedenen öffentlichen Plätzen, so auf dem Dürkheimer Wurstmarkt und vor der Hauptpost in Karlsruhe war sie ein Ausstellungsstück. Dieses einzigartige Exemplar hat 1936 ein Wiener Hotelier käuflich erworben und in seinem Lokal werbeträchtig domiziliert. Josef George, ein genialer und technisch begabter Autodidakt, sozusagen ein Universalmensch, hat außer der Streichholzuhr als Freiberufler auch zwei Patente mit erfunden: 1954 einen Explosionshammer und 1970 einen geräuschlosen Druckspüler. Uhren, Motoren, Maschinen und Apparaturen jeder Art sind seine ihm angeborenen Hobbys. Als Bürger hat er immer und allen geholfen; wenn er einmal scheidet, hat Berg viel verloren. Entwässerungsmaßnahmen Berg-Neuburg Von der förmlichen Antragstellung an bis zum Beginn der Entwässerungsmaßnahme in den Gemeinden Berg-Neuburg bedurfte es zahlreicher Initiativen des Wasserwirtschaftsamts und ebenso vieler Sitzungen der Gemeinderäte beider Gemeinden. Das Verfahren zog sich von 1928 bis 1932, die Arbeiten einschließlich des Schöpfwerkes bei Neuburg bis 1935 hin. Das Entwässerungssystem ist so angelegt, dass in den Rheinniederungsgewannen das Überschwemmungs- Druck- und Regenwasser über Entwässerungsgräben in den Denisgraben als Vorfluter abgeleitet und vom Schöpfwerk bei Neuburg in die Wieslauter gepumpt wird. Das Gesamtprojekt war angesichts der drückenden Arbeitslosigkeit eine Notstandsmaßnahme mit der Beschäftigung von Ausgesteuerten oder Langzeitarbeitslosen. Die ersten Entwässerungsumlagen wurden im Rechnungsjahr 1935/36 erhoben und betrugen in der Klasse 1 6 RM, in der Klasse III 18 RM pro Hektar. Sparkassenauflösung und Zusammenschluss mit Kandel Die ehemalige Berger Sparkasse ist mit Wirkung vom 1. Januar 1936 als selbstständiges Geldinstitut aufgelöst und auf der Basis vertraglicher Vereinbarungen in die Zweckverbandssparkasse Kandel eingegliedert worden. Das gleiche geschah auch mit den anderen Sparkassen Hagenbach, Jockgrim, Neuburg, Pfortz, Schaidt, Steinweiler und Wörth. Hybridenreben Hybridenwein war früher das Haupt- und Hausgetränk vieler Landwirte. Zugegeben der Hybridenwein war alles bloß kein Gesundheitsgetränk. 1938 kam für die Hybridenreben wegen ihrer Gefährlichkeit das Ausrottungsgesetz. Im Jahr 1937 gab es in Berg noch 155 Pflanzer mit insgesamt 5730 Rebstöcken, die durch gesetzliche Anordnung in den Folgejahren umgerodet, d. h. vernichtet worden sind. Einführung des achten Schuljahres und der christlichen Gemeinschaftsschule Am 5.10.1936 hat der Gemeinderat bei der Regierung die Einführung des 8. Schuljahres beantragt und dafür einen weiteren Schulsaal eingerichtet. Das achte Schuljahr trat 1938 in Kraft Geradezu energisch wurde 1937 die christliche Gemeinschaftsschule betrieben. Von 125 Erziehungsberechtigten waren 72 zur Abstimmung erschienen (57 %), die alle mit JA votiert haben. Per Telegramm ging das Ergebnis, übrigens von oben her bereits im Wortlaut vorprogrammiert, an die Regierung in Speyer: "Auf Grund überwältigenden Abstimmungsergebnisses im Gau Saarpfalz beantragt die Gemeinde Berg die Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule." Einheitlicher und perfekter konnte die Aktion nicht laufen. Berg hatte übrigens schon immer die christliche Gemeinschaftsschule praktiziert. Erster Heimattag Zu Pfingsten 1938 veranstaltete die Gemeinde mit den aus allen Richtungen angereisten Altbergern den ersten Heimattag. Damals kamen noch alle per Eisenbahn. Die Gäste wurden am Vormittag am Bahnhof abgeholt und vom Bürgermeister vor dem Gemeindehaus begrüßt. War es schon bei vielen eine Vorahnung auf das schreckliche Ereignis 1939? Durch kriegerische Vorbereitungen hat es bereits zu diesem Zeitpunkt an Spannungen bei uns an der Grenze nicht gefehlt. Gemeindebüro Im Grundkataster der Gemeinde wird das im Jahr 1823/24 erbaute Schulhaus auf dem Kirchberg auch als Rathaus bezeichnet (1972 abgerissen). Mit der Einführung der 8. Schulklasse im Jahr 1938 musste die Verwaltung sich vom Schulhaus trennen und in den 1. Stock des Spritzenhauses umziehen. In diesem sind auch heute noch die Amtsräume des Ortsbürgermeisters, kombiniert mit einem sehr bescheidenen Ratssaal. Erste Räumung 1939 Bei Beginn des Polenfeldzuges wurde unser Dorf in der Befürchtung, dass es auch im Westen zu kriegerischen Handlungen kommen könnte, am Kirchweihsonntag den 3. September 1939 zum ersten Mal geräumt. Evakuierungsgebiet war überwiegend der Raum um Gerolzhofen und Volkach in Bayern. Man muss sich in die Seelenhaltung der Betroffenen hineinzudenken versuchen und zugleich fragen, wie es damals im Innern bei ihnen ausgesehen haben mag. Heim, Haus, Hof und Gut zurücklassend, gingen die Menschen aus der Roten Zone, fern ab von einer glücklichen Heimat, unter schweren Strapazen, Sorgen und Leid in eine neue Welt. Es gab alte Leute, die in ihrem Leben zum ersten Mal einen anderen Teil Deutschlands sahen. Schwangere Frauen standen vor einem besonders harten Los. Sehr schwer hatten es die allein stehenden Mütter mit ihren Kindern; die Kleinen wollten in dem Chaos nur von Mutterhand geführt werden. Verlustmeldungen von Kindern waren keine Seltenheit, Stunden wurden zur Ewigkeit. Weinen und Weheklagen der Bibel erfüllten sich hier vor Ort. Wohl keiner der Strategen hat sich die Räumung in der Weise vorgestellt, wie sie sich in der Tat abspielen wird auch nicht der "Führer", in dessen Namen alles geschah. Die meisten Männer der Grenzorte waren bereits Soldaten an den Fronten, geplagt von einem doppelten Getrenntsein: Von der geräumten Heimat und von den Angehörigen, belastet von der bangen Sorge um deren Schicksal in der Fremde. Für viele dauerte es lange Wochen bis zur ersten postalischen Verbindung. Es war schwer, unter solchen Depressionen Soldatenpflicht zu erfüllen, wie es ebenso auch hart für die "Ausgewiesenen" war, sich von jetzt auf nachher auf andere Menschen und neue Lebensgewohnheiten um- und einzustellen. Auf der Quartiergeberseite - auch dafür muss man ein gewisses Verständnis aufbringen - war die plötzliche Einengung und alles damit im häuslichen und familiären Bereich Verbundene mehr Last als Belastung und eher zwangsläufiger Verzicht als freiwilliges Opfer. Unter solchen Gegensätzen entstand anfänglich bei den Aufeinander-Angewiesenen keine Gemeinschaft. Erst nach geraumer Zeit, oft erst nach Monaten prägten Not, Ungewissheit und Angst vor der fragwürdigen Zukunft langsam aber sicher ein harmonisches Zusammenleben. Die gegenseitige Verträglichkeit wuchs und wurde besser, je mehr sich Gastgeber und Vertriebene als Menschen zu verstehen bemühten. Zu guter Letzt entstanden in vielen Fällen so gute zwischenmenschliche Beziehungen, dass sie sich in tiefe und feste Freundschaft verwandelten. So gesehen, hatten die Evakuierungen auch ihre humanen Aspekte. Die Wiederbesiedlung unseres Ortes begann im Mai 1940 und zog sich hin bis August 1940. Zweite Räumung An den Fronten tobte der Krieg. Das traurige Ereignis einer zweiten Räumung wiederholte sich am 14. Dezember 1944 unter dem Druck der vom Westen her anrollenden Invasionstruppen. Diesmal verschlug es die Berger überwiegend in das Gebiet von Schwabach, erneut nach Bayern. Wer konnte und wollte, durfte sich nach eigenem Belieben bei Bekannten und Verwandten in Sicherheit bringen. Einzelne Familien blieben freiwillig daheim und wählten lieber die Gefahr, Fronthandlungen über sich ergehen zu lassen, als nochmals die Heimat zu verlassen. Im Gegensatz zu der von 1939 vollzog sich die zweite Räumung ziemlich unvorbereitet und fast ohne organisatorische Führung. Die Eisenbahn war auf weiten Strecken durch Luftangriffe blockiert. Der bisherige Kriegsablauf, Erlebnisse, Enttäuschungen und Ungewissheit haben die Menschen härter gemacht. Hoffnungen sanken auf den Nullpunkt. Man ließ alles auf sich zukommen. Von Autorität war nichts mehr zu spüren. Hitler war in aller Mund der Heimgesuchten der böse Geist und viele machten aus ihrer Gesinnung keine Mördergrube. Es kam wie es kommen musste. Der Krieg wurde verloren und wir hatten alle Folgen zu tragen; wir von der Grenze in doppelter Hinsicht. Die Wiederbesiedlung vollzog sich auf eigene Faust. Es war nicht mehr die alte Heimat. Das Bild hat sich zum Weinen verändert. Blieb während der ersten Räumungsperiode das Mobiliar und bewegliche Inventar noch im großen und ganzen erhalten, so war dies bei der Wiederbesiedlung 1945 bereits dezimiert. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Dritte Räumung Für die bei der Dezember-Räumung daheim Gebliebenen, inzwischen per Eisenbahn-Güterwagen oder auf welche Weise auch immer zurückgekehrten Einwohner muss der 1. Mai 1945 ein besonders rabenschwarzer Unglückstag gewesen sein. An diesem sonst frohen Maitag erging der Befehl der französischen Besatzung zur dritten, totalen und sofortigen Räumung, obwohl die Kriegswalze zu diesem Zeitpunkt bereits endgültig über Berg hinweggerollt war. Es betraf die Orte der sogenannten Roten Zone, in unserem näheren Bereich also um Berg, Büchelberg, Neuburg und Scheibenhardt. Bei regnerisch-kaltem, von Schneegestöber begleitetem Wetter ging es nochmals in Richtung "Ungewiss", wobei diesmal aber die meisten im eigenen Landkreis blieben, die Berger zum Beispiel im Raum Rheinzabern-Hördt. Von ihrer Wertung her hatte diese dritte Räumung einen ganz anderen Charakter: Berg und die anderen Orte wurden für die Zeit vom 1. Mai bis Ende Juni 1945 gewissermaßen für vogelfrei erklärt. In diesen Tagen geschah die Wegnahme von Mobiliar, Geräten und beweglichen Dingen, die den Krieg überstanden haben, aus den leer stehenden Gebäuden und Wohnungen von Berg durch Bewohner der französischen Grenzzone. Vom Menschlichen her verständlich und verzeihbar, weil diese, ebenfalls Geschädigte, aus der eigenen Not heraus im Rahmen der eingeräumten Chance ihre erlittenen Schäden auf diese Art wenigstens teilweise wieder auszugleichen versuchten; bereichern wollten sie sich nicht. Eine ganz bittere Pille aber mussten jene Berger Familien schlucken, deren Anwesen in der Reisig- und Niederfeldstraße in den gleichen Tagen durch Brand auf Boden gelegt worden sind; die Aktion traf die Schuldlosen. Das Armenhaus Selbst das arme Armenhaus der Gemeinde an der Lauter im Obertal, nahe an der Grenze gestanden und meistens von kinderreichen Familien bewohnt gewesen, ist dem Krieg 1939/45 zum Opfer gefallen. Unser Bild zeigt den Bauzustand nach dem 1. Kriegsjahr, als es noch vorgeschobener Beobachtungsposten war. Bei Kriegsende lag es ebenfalls in Schutt und Asche. Kriegsfolgen 1945 ff Nach dem Krieg sah es in unserer Gemeinde trostlos aus. Die drei Räumungen, Beschuss, Brand, Demolierungen und Wegnahmen richteten großen Schaden an. 26 Anwesen waren total zerstört, darunter unsere Kirche; 30 Gebäude schwer beschädigt, nachdem schon zuvor 16 Anwesen durch den sogenannten Wiederaufbau 1940/41 zum Abriss kamen. Dementsprechend war die Wohnungsnot. An Hausrat war buchstäblich nichts mehr da, lebendes und totes Inventar waren weg; viele Landwirte, damals noch landwirtschaftsorientiert, standen vor einem Nichts. Die Gemeinde selbst hat rund 30 Hektar ihres besten Waldbestandes als Tankgraben und Schussfeld eingebüßt. Vieles, ja fast alles war wieder Zug um Zug zu ersetzen, nicht aber das Schlimmste, der Verlust von 61 blühenden Menschenleben, 24 Vermissten und 10 Zivilpersonen. Die ersten Besatzungstage, besonders durch die farbigen Truppen inszeniert, waren für die zurückgebliebenen Familien eine grausige Schreckensperiode, Vergewaltigungen von Frauen eingeschlossen. Für sie war es ein Dasein zwischen Leben und Tod. Trotz eigener Armut, ein Vegetieren von heute auf morgen, wurden den Einwohnern in den armseligen Nachkriegsjahren Lebensmittellieferungen durch die Besatzung aufdiktiert, vor allem Geflügel aus dem ohnedies noch kleinen Bestand. Das gesamte Gebiet um Berg war stark vermint. In langen Monaten mussten Feld- und Waldgemarkung durch Spezialtrupps entmint werden, Hauptsächlich waren es Männer, die in der NSDAP eine besondere aktive Rolle spielten, ein wichtiges Parteiamt bekleideten oder zu den sogenannten "Alten Kämpfern" zählten, darunter viele Akademiker. Trotz der Entminung haben 1945/46 noch drei Erwachsene und ein Jugendlicher im Minen- und Granatfeld aus unserer Gemeinde ihr Leben lassen müssen. Am 1. Juni 1947 befanden sich immer noch 46 Soldaten aus Berg in Kriegsgefangenschaft der Verbündeten. Gefallene Vermisste und Ziviltote des II. Weltkrieges einschließlich der Kriegstoten sesshaft gewordener Heimatvertriebener 1940: 1941: 1942: 1943: 1944: 1945: 1946: 1948: Der Wiederaufbau 1945-1955 Der Wiederaufbau muss im weitesten Sinne verstanden werden und gilt für die zehn Nachkriegsjahre 1945-1955. Zunächst und grundsätzlich war für uns das zuständige französische Gouverment Germersheim Befehlsgeber und "Aufsichtsbehörde". In einer Beziehung war die Nachkriegszeit schlimmer als die Kriegsjahre, zumindest was die Versorgung anbelangt. Sehr viele Familienväter, auch Frauen, sind an jedem Wochenende mit leeren Koffern, Schachteln und Rucksäcken per Bahn, Rad oder Anhalter weit ins pfälzische, badische oder württembergische Hinterland gefahren, um zusätzlich Lebensmittel zu organisieren, denn die Rationen auf Grund der Lebensmittelkarten waren zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Nach den Tabakernten 1946/47 war dann für manche Berger das Tauschgeschäft etwas leichter geworden, nachdem sie mit einigen Büscheln Tabak kompensieren konnten. Leere Mäuler erlebten schon damals das "oben ohne". Es war eine Zeit, in der die Bitte "Unser täglich Brot gib uns heute", einerlei ob auf dem Arbeitsplatz oder im Schulhof, seine volle Gültigkeit hatte. Nicht viel anders sah es auf dem Bausektor aus. Um jeden Ziegel, jeden Nagel, Sack Kalk Zement oder Kubikmeter Bauholz musste gerungen werden. Und doch spürte man von Monat zu Monat immer deutlicher das Dichterwort "Aus den Ruinen erwächst neues Leben". Für die Berger Landwirte war die Sperrung der Wörrbrücke von 1945-1951 eine wirtschaftlich bedrückende Maßnahme. Um auf ihr Feld jenseits der Grenze zu kommen, mussten sie eine Marschroute von 5-7 km in Kauf nehmen. Die über die Grenze mitzuführenden Papiere für Personen, Gespanne und landwirtschaftliche Erzeugnisse, eine Tasche voll, waren eher Schikanen als Formalitäten. Gemeinderatswahl 1946 Am 15.9.1946 erfolgte die erste Gemeinderatswahl nach demokratischen Grundsätzen mit Bürgermeister Anton Stathel und Beigeordnetem Otto Fried an der Spitze. Währungsreform 1948 In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1948 waren wir mit 60 DM Kopfgeld für kurze Zeit alle gleichgeschaltet. Die Währungsreform brachte nicht nur einen neuen finanziellen Anfang, sondern auch eine wirtschaftliche Wende. Bald darauf folgte auf allen Gebieten ein verstärkter Wiederaufbau. Viele haben improvisiert, einer trieb den anderen. Zu der eigenen Initiative kam langsam auch die staatliche Hilfe in Form von billigen Darlehen oder Beihilfen. Die Gemeinde hat ihrerseits die Aufforstung des zerstörten Gemeindewaldes anlaufen lassen. Bürgermeisterwahl Bei den Novemberwahlen 1948 war es für Bürgermeister Stathel erneut eine Wiederwahl; ihm zur Seite standen Josef Frenzel und Konrad Rihm als Beigeordnete. Kriegszerstörte Kirche Im Spätjahr 1949 war die kriegszerstörte Kirche bereits im Rohbau fertig und konnte am 10.11. durch seine Exzellenz Bischof J. Wendel, den späteren Kardinal von München, geweiht werden. Bis dahin diente (1945-1949) die Kleinkinderschule auf dem Kirchberg als Notkirche. Nur an hohen Festtagen wie Weihnachten wurde der Gottesdienst im Saal des Gasthauses Drei König abgehalten. Minenunfall Am 21. Februar 1949 fuhr der Landwirt Alois Scherrer beim Holzholen im Bienwald auf Minen. Seine zwei Pferde hat er dabei eingebüßt, er selbst schwer verletzt. Eine Entschädigung erhielt er nie. Bayernspende 1950 im November erhielt die Gemeinde durch Vermittlung des Bundes Bayern-Pfalz eine Bayernspende; das Geschenk bestand in drei Kühen, 6 Rindern, und 5 Schweinen. Im Dankschreiben der Gemeinde vom 20.11.1950 nach München steht u.a.: "Ihre Hilfe wird einmal in unserer Chronik zu lesen und für unsere Nachkommen eine dankbare Erinnerung sein." Es geschieht hiermit bei dieser Gelegenheit. Hystorischer Fund Im Dezember 1950, beim Minensuchen im Bienwald zwischen Berg und Büchelberg zeigte das Minensuchgerät einen Metallgegenstand in geringer Tiefe des Waldgeländes an. Beim Ausgraben fand man einen Degen, an dessen Knöpfen noch Goldspuren zu erkennen waren. Im Griffstück befindet sich das Bild eines Ritters. Die Waffe, die vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt, liegt im Historischen Museum in Speyer. Grundzinsen-Löschung Die seit 1822 für Landabgaben erhobenen Grundzinsen waren ihrer Höhe nach eine Bagatelle, für die Verwaltung und Grundbuchamt aber eine Zeit raubende Arbeit. Bei jedem Besitzwechsel gingen die Klein- und Kleinstbeträge auf den neuen Erwerber über. Ein Teil dieser Grundzinsen wurde bereits in den Jahren 1931/32 abgelöst, schließlich gemäß Ratsbeschluss vom 9. Mai 1951 für alle Schuldner endgültig aufgehoben und im Grundbuch als dingliche Belastung für immer gelöscht. Der Ortsname Berg/Pfalz Berg als Ortsname wird urkundlich zum ersten Mal im Jahr 1176 erwähnt und diese Beschreibung hatte eine Dauer von 776 Jahren. Seit 1952 führt unsere Gemeinde offiziell die amtliche Bezeichnung "Berg/Pfalz" Vor 1952 wurde Berg nicht selten auch mit Berg am Rhein tituliert. Lauterbrücken Die Ziegel- und Bützbrücke über die Lauter, als Kriegsfolge in einem verkehrsgefährlichen Zustand, wurden neu erbaut. Kirchturmbau Hatte die kriegszerstörte Kirche einen Dachreiter als Kirchturm, der heute sicherlich unter Denkmalschutz stünde, so ist der neue Kirchturm ein eigenes Bauwerk an der Kirchensüdseite mit Jugendraum und Pfarrbücherei im Erdgeschoß. Am 24. Mai 1952 war das Richtfest, am 1. September 1952 seine Bauvollendung. Turmhöhe 26 Meter, verbaute Backsteine 8000, Kostenaufwand 25000 DM. Gemeindejagd Am 28.8.1952 ist die Berger Gemeindejagd mit sofortiger Wirkung wieder von der französischen Besatzung freigegeben worden. Das Jahr 1952 war übrigens eine ausgesprochene Schwarzwildjagd mit einem Wildschaden von 3000 DM. Kommunalwahlen Bei der dritten Nachkriegswahl am 29.11.1952 war es für Bürgermeister Anton Stathel abermals eine Wiederwahl, für Eugen Schank und Alfons Heintz die Wahl zu Beigeordneten. Hausratshilfen im Lastenausgleich Kurz vor Weihnachten 1952 hat eine kleiner, besonders bedürftiger Kreis von Kriegssachgeschädigten die ersten Hausratshilfebescheide vom Ausgleichsamt erhalten. Mit dem Geld konnten die beglückten Familien nach 7 Jahren Geduld und Entbehrung endlich ihre kläglichen Wohnungen etwas ergänzen und auf einen besseren Stand bringen. Glockenweihe Am 11.11.953 hatten wir die erste Nachkriegsglockenweihe. Winterkälte und ein geschäftigter Samstag-Nachmittag konnte die Berger nicht davon abhalten, den geschmückten Wagen mit den drei Glocken, darunter auch die der Pfarrfiliale Neuburg, am Dorfeingang in Empfang nehmen und ihnen unter Marschmusik der 25 Mann starken Hagenbacher Musikkapelle das Geleit auf den Kirchberg zu geben. Domkapitular Dr. Hausner in seiner Festpredigt: "Den Ruf der Glocken soll man nicht nur hören, sondern ihm auch folgen." Laut Kirchenchronik gehen der Glockenweihe 1953 drei frühere Glockenweihen voraus und zwar 1667, 1882 und 1924. Es lässt sich nachweisen, dass die Glocken von 1882 im Weltkrieg 1914/18 und die von 1924 im zweiten Weltkrieg zu Kanonen umgeschmolzen worden sind. Musik- und Männergesangverein Das Frühjahr 1953 war die Wiedergeburt des Berger Musikvereins. Seine Beteiligung an der Fronleichnamsprozession war gewissermaßen der Start in die Öffentlichkeit. Am 14./15. Juni 1953 feierte der Männergesangverein sein 90-jähriges Jubiläum mit Fahnenweihe. Für Berg das erste Fest wieder dieser Art seit mehr als 15 Jahren. Kein Wunder, wenn die gesamte Bevölkerung diese Feier zu einer Sache des ganzen Dorfes machte. Hochwasser 1953 Berg muss mit dem Hochwasser leben. So sind wieder einmal im Sommer 1953 die Gewanne Schletting und Au, Bütz und Aubüge überflutet worden. Getreidebau in Gemeinderegie Mit Unterstützung des Landes hat die Gemeinde als Maßnahmeträger im französischen Wörrgebiet eine total verwilderte Nutzfläche (Sequesterland) von rund 13 ha zu gutem Feld umkultiviert und mit Getreide bestellt. Der erzielte Reinertrag belief sich auf 13100 DM, davon konnten 10000 DM dem Fond Wasserversorgung zugeführt werden, Diese Maßnahme über der Grenze können wir nicht ohne Dank an die Stadt Lauterburg erwähnen, bei der wir in allen Grenzangelegenheiten schon immer Verständnis und Unterstützung gefunden haben. Ertrinkungstod Die 1 1 /2jährige Hildegard Fritz ist bei einem Verwandtenbesuch in Dahn am 5. November 1953 in der dortigen Lauter ertrunken. Brennholzversteigerung Ende Dezember 1953 wurde im Bayrischen Hof, Neulauterburg, nach vielen Jahren wieder eine öffentliche Brennholzversteigerung abgehalten. Interessenten waren bis Germersheim und Landau, ja sogar aus dem Badener Land gekommen, um sich an dieser Versteigerung von 900 Ster zu beteiligen. Leider reichte die Holzmenge bei weitem nicht aus - auch eine Erinnerung an jene Notjahre . Spenden der Bevölkerung Es zeugt von Opfersinn, wenn die Berger seit der Währungsreform 1948, Ende 1953, für Kirche, Glocke und Orgel eine Gesamtspende von 32000 DM aufgebracht haben, obwohl sie in den mageren Nachkriegsjahren mit sich selbst voll zu tun hatten. Tödlicher Unfall Am Christabend 1953 fiel der Landwirt Ludwig Heberger so unglücklich von der Scheunenleiter, dass er an den Folgen seiner schweren Verletzungen verstarb. Baggerfunde (Diluvium) In der Sandgrube der Firma R. Pfirmann wurde im Herbst 1953 in circa 4 Meter Tiefe bei Baggerarbeiten neben einigen diluvialen Tierknochen und verkieseltem Holz ein halber Backenzahn eines jüngeren Elephas primigenius gefunden. In der gleichen Kiesgrube förderte der Bagger im Herbst 1954 aus maximal 12 Meter Tiefe zwei Schädel von Bisson priscus zutage. Eine durch Bohrung bis 36 Meter Tiefe ermittelte Schichtenfolge zeigt folgendes Bild: Bis 23 Meter ungeschichtete Kiese, von 23-30 Meter Flugsand, über 30 Meter Flugsand und Steine, letztere häufig mit rotem Überzeug (rostfarbig). Aufbewahrungsort das Museum Bad-Dürkheim. Geländeverkauf in Pfortz Der schlechten Rendite wegen hat die Gemeinde 1954 ihren landwirtschaftlichen Besitz in Maximiliansau mit rund 9 Hektar und den in Hagenbach zu ca. 2,50 ha zum Preis von 35 000 DM abgestoßen. Arbeitsplätze im Ort Nach dem Stand vom 1.12.1954 gab es in Berg insgesamt 405 Arbeitnehmer, nämlich 320 männliche und 85 weibliche. Hochwasserkatastrophe 1955 Für unsere Generation war das Hochwasser Mitte Januar 1955 eine örtliche Katastrophe. Die Gefahr kam nicht nur vom Rhein, sondern diesmal auch von der ebenfalls wild gewordenen Oberlauter. Das gesamte Gebiet zwischen Lauter und Rhein war ein einziger See. So weit der Blick in Richtung Neuburg-Lauterburg ging, sah das Auge Wasser; 400 ha Land, davon 80 ha Wintergetreide waren überflutet. Das Unterdorf zwischen Mühle und Bahnhof musste zum Teil geräumt werden. Werden die Dämme halten, war immer die bange Frage. Menschenhände stemmten sich mit begrenzten Möglichkeiten gegen Naturgewalten. Im Tag- und Nachtdienst waren Dammwachen unterwegs, nach Schwerpunkten die örtliche und Nachbarfeuerwehren eingeteilt, in den kritischen Stunden stand sogar ein Amphibienfahrzeug des US-Standortes Karlsruhe im Einsatz. Der Bahnbetrieb Neuburg-Berg lag still, denn der Berger Bahnhof war abgetrennt und sah sich wie eine Insel in den Fluten an. An Stelle der ausgefallenen Berufszüge hat die Bundesbahn für die Berger zum Bahnhof Hagenbach als nächster Station einen Omnibus eingerichtet. Die Umleitung der Strecke Wörth-Straßburg ging über Winden-Weißenburg. Nach 10 Tagen Bangen und Hoffen ging der große Rhein wieder in sein Bett zurück und die kleine Wieslauter, der niemand eine Gewalttätigkeit zutraut, wurde wieder ein stilles Flüsschen. Die Unterdörfler begannen aus ihren Kellern den Schlamm zu schöpfen, die weichen Stellen an den Deichen wurden geflickt und der Lebensablauf begann sich wieder zu normalisieren. Bei den vielen, die im unmittelbaren Einsatz standen, ging es gottlob ohne Verluste ab. Ganz am Schluss ereignete sich dann aber doch noch ein tragisches Unglück in der Bruchbergerstraße, als der 5-jährige Arnold Steigleder unter das zu seinem Standort Karlsruhe zurückfahrende Amphibienfahrzeug geriet und auf der Stelle getötet worden ist. Ein Menschnopfer forderte auch das Hochwasser vom Mai 1978 als der 36jährige Erwin Neufeld aus Steinfeld bei einer versuchten Maschinenbergung im Ziegelackerbaggersee ertrank. Bei diesem Hochwasser hatte die Gemeinde Berg Unkosten in Höhe 8300 DM, an denen sie allein hängen blieb. Stiftungsfest des Musikvereins Vom 28. bis 30. Juni 1955 stand Berg im Zeichen der musica. Der Musikverein veranstaltete sein 30-jähriges Stiftungsfest. Eine vortreffliche Organisation, herrliches Wetter, viele Gästevereine und hunderte von Besuchern machten das Ganze zu einem erinnerungswerten Festablauf. Silberjubiläum der Schwesternstation Mit einer besonderes innigen Anteilnahme feierte am Sonntag den 25.9.1955 die ganze Gemeinde das silberne Jubiläum ihrer katholischen Schwesternstation. War der Gottesdienst auf diesen denkwürdigen Tag abgestimmt, so wurde die anschließende Jubiläumsfeier buchstäblich das Spiegelbild einer großen Gemeindefamilie. Ortskanalisation In der Ratssitzung vom 26.10.1955 erging der Beschluss zum Bau der Ortskanalisation, eine der ersten im Kreisgebiete überhaupt. Pfingstbesuch aus Bayern Die Pfingsttage 1956 waren recht lebendig. 50 Quartiergeber aus Volkach/Bayern, in dem viele Berger im Kriegsjahr 1944/45 evakuiert waren, kamen mit Bus zu einer frohen Wiedersehensfeier. Ein Beweis, dass eine in Notzeit entstandene Freundschaft von Bestand ist. Wohnungsnot Ende 1955 registrierte Berg 13 wohnungssuchende Familien, darunter kinderreiche, ohne dass ihnen geholfen werden konnte. Lauterbrücke Die gesprengte Lauterbrücke am Bahnhof, seit Kriegsende eine Behelfsholzbrücke, wird im Juni 1956 durch eine feste Betonkonstruktion ersetzt. Die Bauzeit betrug drei Monate. Orgelweihe Am 4. November 1956 Orgelweihe. Dekan und geistlicher Rat Kropp, Jockgrim, nannte die Orgel die Königin der Instrumente, die ganz im Gegensatz zum teuflischen Kanonendonner mit ihrem ehernen Klang nichts anderem dienen will als der Erbauung des Gottesdienstes. Es konnte indessen keine dem Freudentag gemäße Stimmung aufkommen, denn es waren gerade die Stunden, da russische Panzer die ungarische Grenze überschritten und das um seine Freiheit ringende Ungarnvolk mit kriegerischen Mitteln brutal niederkämpfte. Freiherr von Stein Plakette Auszeichnung von Bürgermeister Anton Stathel mit der Freiherr von Stein-Plakette als Anerkennung für die in schwerer Nachkriegszeit geführte Verwaltung, seine Leistungen und Erfolge. Bürgermeister - Beigeordnete In einer ausgesprochen ruhigen Atmosphäre wurde Otto Fried am 30.11.1956 einstimmig zum Bürgermeister gewählt und Beigeordneter Eugen Schank mit 9 von 15 Stimmen wieder gewählt. Unsere Wasserversorgung im Zweckverband Berg-Neuburg Das Thema Wasserversorgung wiederholt sich so oft in den Jahren 1950 ff, dass es zweckmäßig erscheint, sowohl über Entstehung, Werdegang und Ende des Zweckverbandes, wie über seine Probleme und gelösten Aufgaben ein eigenes Kapitel im Zusammenhang zu bringen. Während Neuburgs Familien ihren Wasserbedarf fast ausschließlich über Hausbrunnen und Hauswasserpumpen bezogen, taten dies für Berg zu 95 % öffentliche Gemeindebrunnen. Ohne den Wert dieser jahrhunderte alten Einrichtungen zu schmälern, handelte es sich in beiden Gemeinden letztlich um eine unzulänglich gewordene Versorgungsbasis; bei der von Berg auf jeden Fall. Deshalb hat auch in Berg bereits am 12.11.1950, also ziemlich früh, eine Bürgerversammlung stattgefunden mit dem anvisierten Ziel eines eigenen Wasserversorgungsprojekts. Scheibenhardt war damals mit im Spiel, Büchelberg als eventueller Wasserlieferant. Aber auch Hagenbach, von der Germersheimer Südgruppe in Wort und Schrift rührig umworben, hätte sich gemäß seiner angemeldeten Bewerbung 1955 gerne unserm Verband, dem kleineren Bruder, als Dritter im Bund angeschlossen. Die weitere Entwicklung führte dann aber zu einem ganz anderen Ergebnis. Am 11. Mai 1952 lud das Landratsamt Germersheim die Gemeinderäte von Berg und Neuburg zu einer gemeinsamen Sitzung auf Freitag den 23. Mai 1952, 20 Uhr, nach Berg im Saal Drei König ein. Die Entscheidung beider war positiv und damit sind auch die Würfel gefallen. Die konstituierende Sitzung ließ nicht lange auf sich warten. Der Weg zum Handeln war frei. Die ersten Bauarbeiten wurden im September 1954 vergeben und im Oktober begonnen. Von da an lief es wie am Schnürchen. Die ersten Hausanschlüsse in Berg waren im Juni 1955, die letzten in Neuburg im August 1956. Wasserturmbaubeginn im Juni 1956, seine Inbetriebnahme im Juni 1957; Wasserturmhöhe 41 Meter, Fassungsvermögen 500 cbm. Am 28. Juli 1958 fand durch das Landratsamt, das Wasserwirtschaftsamt und drei weitere Fachbehörden die bezirkspolizeilich-technische Abnahme des Wasserwerkes statt. Der Gesamtkostenaufwand mit 1,2 Millionen DM war damals ein großer und schwer aufzubringender Brocken. In den rund 20 Jahren seiner Eigenständigkeit ist die Verbandsversammlung als wichtigstes Organ 33 mal zusammengetreten. Besonders interessant waren immer die Beratungen über die Höhe der Gebühren und Beiträge; diesbezüglich sind 11 Beschlussentscheidungen ergangen. Im Jahr 1955 kostete das Wasser neben einer monatlichen Grundgebühr von 0,75 DM je Wasseranteil 30 Pfennig pro Kubikmeter, so die erste Kombination, ab 1963 0,40 DM, ab 1972 0,50 DM und seit 1973 einheitlich 0,80 DM, daneben 1 DM Zählergebühren pro Monat. Bemerkenswert ist, dass der Verband erst 1966, also nach 12 Jahren seiner Funktion, den Rohrnetzkostenbeitrag eingeführt hat, begonnen mit 10 DM je laufender Meter Frontbreite des Bauplatzes oder Anwesens, 1972 erhöht auf 15 DM und von 1973 auf 25 DM. Gering waren auch die ursprünglich pauschal erhobenen Anschlusskosten mit 150 DM pro Gebäude wobei die Gemeinden Berg und Neuburg aus eigener Tasche zur Entlastung der Pflichtigen einen Betrag von 50 DM beisteuerten. Insgesamt hat der Verband seine Bevölkerung von Anfang an immer mit billigem Wasser und geringen Gebühren bedient. Dies entsprach seiner praktizierten Grundeinstellung. In der Regel trafen sich die Berger und Neuburger Vertreter, 11 aus Neuburg, 7 aus Berg im Dezember zu ihrer Jahresverbandsversammlung. Man muss schon dabei gewesen sein, um die harmonische Zusammenarbeit in den 20 Jahren miterlebt zu haben. Am deutlichsten findet dies wohl seinen Ausdruck darin, dass nahezu alle Beschlüsse, in der Sache ausdebattiert bis zum letzten, einstimmig zustande kamen. Ein großer Förderer unseres Verbandes, Landrat Weiß, später Präsident des Rechnungshofes Rheinland-Pfalz, kam trotz Entfernung und später Abendstunde oft als Gast zu den Jahresversammlungen und gab damit zu erkennen, dass er nicht nur dem Verband seine Aufmerksamkeit schenkte, sondern dass es ihm auch bei uns gefallen hat. Dabei war er mehr väterlicher Berater als strenges Auge des Gesetzes. Berg als Standort der technischen Anlagen wie Pumpenhaus und Hochbehälter stellte immer den Vorsitzenden: Bürgermeister Anton Stathel von 1954 bis Ende 1956, Bürgermeister Otto Fried von Januar 1957 bis zur Auflösung des Verbandes 1974. Bürgermeister Albert Vollmer, Neuburg, hatte von der ersten Stunde an das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden inne und war immer dabei. In der Person von Amtsrat Emil Merker, Hagenbach, war der Verbandsrechner besetzt, Ludwig Stehle, Berg, fungierte als Geschäftsführer. Die gesamttechnische Betreuung lag in den Händen des Wassermeisters Hermann Stephany, Berg. In den 20 Jahren seines Bestandes gab es praktisch von der verbandsseitigen Funktion her keinen Tag ohne Wasser. Der Verband hat auf dem Bausektor billig gearbeitet. Die weitaus meisten Arbeiten wie Erweiterungen, Anschlüsse, Rohrbrüche usw. wurden in eigener Regie ausgeführt. Ab 1959 gab es im Berg-Neuburger Verband keine den Gründungsjahren vergleichbare Sorgen mehr. Die wirtschaftlich-finanzielle Seite war in einem gesunden Gleichgewicht, die Zukunft sozusagen problemlos. In der Verbandsversammlung vom 27.l2.1967 sagte der dieser Sitzung als Gast beiwohnende Landrat Weiß Germersheim: Ich bin über die wider Erwarten günstige Entwicklung und die gute wirtschaftliche und finanzielle Situation des Verbandes stark beeindruckt und überzeugt, dass sich auch kleine Verbände ganz abgesehen von den sich daraus bildenden guten Nachbarschaften als eine gute Lösung erwiesen haben. Schade dass der in allen Teilen gut funktionierende Zweckverband Berg/Neuburg ein Opfer der Aufgaben-Übergangsverordnung des Landes geworden ist. Eine Institution wie die eines Zweckverbandes Berg-Neuburg, der einen äußerst schweren Start hatte und auf einen so guten Stand sich emporarbeiten konnte, hätte den gesetzlichen Auflösungsakt mit der Einverleibung in die Verbandsgemeinde Hagenbach objektiv nicht verdient. Redaktioneller Raum und Rahmen lassen es nicht zu, mit einer größeren Kolonne von Zahlen aufzuwarten oder ein umfassendes Zahlenbild zu geben. An deren Stelle nur die folgenden Zahlen: Berg Neuburg Gesamt Schuldenstand 1957: 495400DM Kleine Episode: Es war im Sommer 1966. Eine Neuburger Frau mit geöltem Mundwerk hat sich per Telefonat über das weißschaumige Wasser beschwert; ich der Chronist habe ihr erklärt, dass bei der Wasserspülung im Berger Pumpenhaus etwas Luft in die Leitung gekommen sei. Darauf ihre schlagfertige Antwort: "Behaltet ihr eure Luft in Berg und gebt uns g'scheites Wasser." Straßenbau Nach der amtlichen Straßenstatistik hatte Berg am 1.1.1957 an Innerortsstraßen: 1. einfach befestigte ungeschotterte Straßen 1726 Meter Nach dem Stand von 1975 waren vorhanden: 1. mit Asphalt ausgebaute Ortsstraßen 5800 Meter Dorfbrunnen Nach Inbetriebnahme des Wasserturmes im Juni 1957 hatten die guten Dorfbrunnen endgültig ausgedient und es war nun soweit, von ihnen Abschied zu nehmen. Mit Beschluss vom 25.1.1967 erging die entsprechende Anweisung. Während 10 Brunnen mit Erdreich zugeschüttet worden sind, haben 4 Brunnenschächte für den Fall X oben nur eine starke Abdeckplatte erhalten. Kleine Hausaufgabe: Wer weiß noch genau die Standorte der 14 alten Dorfbrunnen? Friedhofsbäume Im Winter 1956/57 sind in und vor dem Friedhof die mächtigen Kastanienbäume gefällt worden. Allein schon von der unerfreulichen Erinnerung her, dass die Gräber zu Allerheiligen immer mit Laubwerk bedeckt waren, muss man eingestehen, dass die neue Baumanlage, wie wir sie heute haben, gegenüber den Kastanien nur von Vorteil ist. Dennoch hat sie Gegner auf den Plan gerufen, die zu Ostern 1957 unter dem Kennwort "Zum Tag des Baumes" ein bemustertes Flugblatt mit folgendem Sechszeiler als Gedicht herausgegeben haben: Friedhofsbäume, die uns allen Wert Apropos: Flugblätter standen bei uns schon immer in einem gewissen Kurs. Nach des Chronisten privater Sammlung sind in den Jahren 1952-1974 publiziert worden: a) örtlich parteipolitisch 19 Flugblätter, davon 1 anonym. Alle Flugblätter hatten ihre "Zwei Seiten". Tankgraben-Fischwasser Der Neuburger Fischwasserpächter Blitt hat über Landratsamt und Bezirksregierung versucht, den Berger Tankgraben im Gemeindewald mit dem Neuburger Teil zu einem gemeinsamen Fischereirecht zusammenzulegen. In diesem Falle wäre das eigene Fischereirecht untergegangen. Durch die ablehnende Haltung des Gemeinderates in der Sitzung vom 11.6.1957 ist es dazu nicht gekommen. Primiztage Am 6. und 7. Juli 1957 waren Primiztage; im ortsgeschichtlichen Rückblick wieder die erste Primiz seit 1880. Gemeinde-Brückenwaage Im Oktober 1957 Abbau der öffentlichen Gemeinde-Brückenwaage in der Theresienstaße vor dem Spritzenhausturm und deren Verlegung auf den neuen Standort über der Lauterbrücke im September 1959. Seit Ende 1969 ist der Wiegedienst ganz außer Betrieb. Kanalisationsgebühren Im Dezember 1957 sind erstmals für die Kanalisation die einmaligen Beiträge und laufenden Gebühren festgesetzt worden, nämlich: a) eine einmalige Pauschale von 40 DM pro Anwesen. So hätte es bleiben müssen. Tod im Zolldienst In der Nacht auf Christi-Himmelfahrt, am 15. Mai 1958 ist Zollsekretär Richard Grein während seines Nachtdienstes auf der Bahnstrecke Berg-Lauterburg von einem Sonderzug erfasst und nach der Art seiner Verletzung auf der Stelle getötet worden. Am 30.11.1959 wurde der von seinen Kameraden gestiftete Gedenkstein in der Nähe des Unfallortes enthüllt. Kirchweih in Neulauterburg Zur Neulauterburger Kirchweih im September 1958 ist mit ortspolizeilicher Erlaubnis der Gemeinde ein Kinderkarussell aufgestellt worden. Es kam anders. Wegen der Grenznähe musste es auf zollbehördliche Anordnung hin wieder abgebaut werden. In diesem Fall hat der Amtsschimmel ohne Zweifel etwas zu viel mitgespielt. Fast hätte die Gemeinde die dem Schausteller entstandenen Kosten tragen müssen. Gartenstraße Im November 1958 ist die bis dato benannte Hintergasse in Gartenstraße umgetauft worden. Sie ist heute mit eine der schönsten Straßen im Ort. Erste Carneval-Veranstaltung Der erst einige Wochen zuvor gegründete Carnevalverein CV-Rotweiß veranstaltete am Samstag, dem 14.1.1959 unter dem Motto "Schlag auf Schlag" seine erste Prunksitzung mit einzigartigem Erfolg. Der CV Rotweiß hat sich bis heute gut behauptet und carnevalistische Leistungen von beachtlichem Niveau geboten. Elektrischer Fischfang Im April 1959 wollte der Angelsportverein im Tankgraben des Gemeindewaldes die zahlreichen Raubfische durch Elektroschocks ausfischen, um den Jungfischbestand zu retten. Der Versuch scheiterte sowohl an der Tiefe des Wassers als auch an den weiträumigen Ausweichmöglichkeiten der Verfolgten. 100 Jahre Gesangverein Vom 13. bis 15. Juni 1959 erlebte Berg in dem l00jährigen Jubiläum des vereinigten Männergesangvereins ein überörtlich großes Fest. Höhepunkte waren das Bankett und der Festumzug mit 21 Brudervereinen und drei Musikzügen. Lastzug auf der Zollstraße Ein französischer Lastzug hat sich auf der abschüssigen Straße gegenüber dem Zollamt Neulauterburg selbständig gemacht und ist gegen das Anwesen der Frau Agnes Morgen geprallt. Das halbe Haus musste abgerissen werden. Tod im Amtsbüro Am 14.8.1959, 18.30 Uhr ist Beigeordneter Schank Eugen nach einer Amtshandlung während der Unterschrift im Gemeindebüro einem Herzinfarkt erlegen. Hakenschnabel Im September 1959 bewarb sich eine Firma aus Bobenheim/Rhein um einen Teil des Hakenschnabels zur Erstellung eines Steinwerkes mit Sandabbau. Wegen des schönen Fleckchens, das wir alle zu schätzen wissen, ist daraus nichts geworden; es wäre auch um dieses Landschafts- und Ortsbild bitter schade gewesen. Wildabschuß Im November 1959 hat die Gemeinde Anträge auf erhöhten Abschuss von Rehwild und Fasanen, sowie eine Vorverlegung des Abschusses für Fasanen um 14 Tage gestellt. Grund: Da auf französischer Seite die Fasanenjagd zwei Wochen früher beginnt, flogen ganze Ketten - ohne Grenzpapiere - in unsere Gemarkung und fraßen nach Herzenslust, ohne gestört zu werden. Hohe Wildschäden und Ärger der Landwirte waren das Resultat. Dammerhöhung Im Januar 1960 begann der praktische Hochwasserschutz in Form der Erhöhung des nördlichen Lauterdammes zwischen Berg und Neuburg. Die neue Dammkrone liegt etwa 1 Meter über dem Hochwasserstand vom Januar 1955. Feuerwehr-Löschfahrzeug Am Sonntag-Vormittag, 9. Januar 1960 übergab die Gemeinde der freiwilligen Feuerwehr das erste motorisierte Löschfahrzeug in deren Obhut. Der Anschaffungspreis mit einem Kostenanteil von 10000 DM war nicht umsonst; unsere Wehr hat sich, wie wir noch lesen werden, mit diesem Gerät unter Fleiß, Schweiß und vieler Übungen löblich bewährt. Raiffeisen-Umsatz Eine kräftige Aufwärtsentwicklung meldet der örtliche Raiffeisen im Warenumsatz, der in den letzten 10 Jahren um das Vierfache gestiegen ist. Mechanisch-biologische Kläranlage Im Februar 1960 Inbetriebnahme der mechanischen Kläranlage, der dritten im Kreis Germersheim. Der Beschluss des Gemeinderates über den Bau - ohne den biologischen Teil - erging bereits am 12. Juli 1959. Zu diesem Zeitpunkt entsprach die mechanische Anlage noch den damaligen Zeiterfordernissen, wurde aber von der nicht vorausschaubaren allgemeinen Entwicklung, speziell in unserer Gemeinde, so zum Beispiel durch Bevölkerungszuwachs und Wasserverbrauch, bald überholt. 1976 wurde sie in eine mechanisch-biologische erweitert; Übergabe und Einweihung am 22.6.1976. Gemeindewald-Wiederaufforstung In Fortsetzung der bereits vor Jahren begonnenen Wiederaufforstung unseres kriegszerstörten Gemeindewaldes wurden von März-April 1960 rund 40000 einjährige Kiefer-Erlen und Bergahornpflanzen gesetzt. Meßdiener - Rätscherbuben Am Gründonnerstag 1960 hat der Süddeutsche Rundfunk die Berger Meßdiener Rätscherbuben - auch Rappler genannt - auf Tonband aufgenommen. Schulleiter Schmidt und seine Jungens waren nicht wenig erstaunt, als sie bereits 10 Minuten später die gesprochenen Texte und gesungenen Lieder als Aufzeichnung hörten. Berger Industrie-Erzeugnisse Bei Abschluss der frühzeitig erkannten lndustrieansiedlungsaktion konnten wir uns nach dem Stand vom Mai 1960 folgender Ortsbetriebe erfreuen: 1. Firma A. Berger, Metallwaren Wohin überall wandern ihre Erzeugnisse? Metallwarenspezialartikel, vornehmlich Spannringe, kommen weit und breit zum Versand. Dutzende von Dörfern und Städten, auch die Schweiz, werden mit den verschiedensten Müllereiprodukten beliefert; Stühle, Tische, Gaststätten-Spezialeinrichtungen und Küchenanbaumöbel gehen nach Süd wie Nord; Herrenhemden werden genau so in Hamburg wie in Berlin oder Hannover getragen; Teddybären und Filzhüte aller Schattierungen in München, Nürnberg, Frankfurt oder Köln gehandelt; Spezial-Straßensplitt rollt Tag und Nacht in die Pfalz sowie nach Baden-Württemberg. Schließlich haben wir eine im weiten Umkreis bekannte Baufirma, die, das sei ihr angerechnet, in den armen Nachkriegsjahren besonders im stark kriegsgeschädigten Grenzraum Großes geleistet hat. Jubiläum des F.C.B. 1920 Am 21. und 22. Juni vierzigjähriges Jubiläum des F.C. 1920 Berg mit Ehrung der Gründungsmitglieder Merk Eugen, Heil Karl, Hoffmann Ludwig und Lenhard Felix. 25jähriges Priesterjubiläum Am Samstag-Abend 2. Juli 1960 wird auf dem Kirchberg Pfarrer Maginot, seit Dezember des Kriegsjahres 1943 Berger Seelsorger, von den Berger und Neuburger Katholiken, sowie Gemeinde, Vereinen und Schule zu seinem 25jährigen Priesterjubiläum verdientermaßen vielseitig geehrt. Tabak-Blauschimmel Der 1960 zum ersten Mal und gleich so radikal aufgetretene Tabakblauschimmel war für unsere Landwirte eine Ernte ohne Ertrag. Kein Tabakpflanzer blieb verschont. Am stärksten betroffen waren die Kleinbetriebe ohne Lohnempfänger, bei denen aber gerade das Tabakgeld zur Haupteinnahme des Jahres zählte. Wohl hat das Land ohne Rechtspflicht eine Entschädigung gewährt, gemessen an dem erlittenen Schaden jedoch nur ein Tropfen Wasser auf den heißen Stein. Interessant folgende Vergleichszahlen im Tabakbau: 1960 1976 Wohnbaracken Im September 1960 hat Berg in der Stadt Lauterbourg zwei Wohnbaracken erworben. Baracken passen zwar nicht in das Ortsbild. Sie waren auch nur als Provisorium gedacht und sollten lediglich den örtlichen großen Wohnungsmangel überbrücken helfen. Waldbrand Am 20. März 1961 brannte im Gemeindewald, Schlag Kalkloch, eine Jungkultur mit 5000 Roterlen vollständig aus. War es Kinderspiel? Heimatfilm Am 29. und 30. Juli 1961 drehte der Musikverein als Organisator in und um Berg einen Heimatfilm. Am Samstag wurde der dörfliche Alltag auf den Straßen, in den Häusern und Betrieben, am Sonntag ein improvisierter Umzug mit den Ortsvereinen, Fischern, Jägern, Feuerwehr und Schulkindern eingefangen. An zwei Abenden des 20. und 21. Oktober wurde der Film der Öffentlichkeit vorgeführt; großes Interesse und gute Stimmung. Landwirtschaftlicher Unfalltod Die 6l-jährige Landwirtswitwe Rosa Bay aus der Reisigstraße wurde am 23. Juli 1961 von der Kuh, die sich beim Ausspannen vom Wagen plötzlich wild gebärdete, angegriffen und so schwer verletzt, dass sie trotz ärztlicher Hilfe an den erlittenen Verletzungen verstarb. Feuerwehr-Wettkampf Die Freiwillige Feuerwehr hatte berechtigten Anlass zu einer besonderen Freudenfeier, nachdem sie bei den Kreisfeuerwehr-Wettkämpfen am Sonntag dem 1. Oktober in Hördt unter 12 Einsatzwehren mit dem Ersten Preis das Rennen machte. Kirchenrenovierung Nach mehrwöchigen Renovierungsarbeiten in den Monaten September-Oktober 1961 erstrahlt der Innenteil unserer Dorfkirche im neuen Glanze. Im Chor und Schiff wurden neue Decken eingezogen. Die Wände erhielten einen gefälligen Neuanstrich, die behelfsmäßigen Nachkriegsfenster eine buntfarbige, jedoch reichlich mit Lichtquellen ausgestattete Neuverglasung. Straßennamen Die Goethe-, Schiller- und Lukasstraße erhielten in der Sitzung vom 6. November 1961 ihre Namen. Straßenbeleuchtung An Stelle der unzulänglichen Nachkriegs-Straßenlampen trat mit Wirkung vom 25. Juni 1962 eine den Verkehrserfordernissen angepasste bessere, mit modernen Wandarm- und Hängeleuchten ausgestattete Straßenbeleuchtung. Weiße Rehkitz Für die Berger war es eine Kuriosität, im Frühjahr 1962 in der Gewann Bruch eine Rehmutter mit ihrem schneeweißen Rehkitz zu beobachten. Nicht alle hatten das Glück, es zu sehen, denn wegen seiner Farbe war es scheuer als seine Artgenossen und nahm darum auch meistens volle Deckung. Abschied von Pfarrer Maginot Am Sonntag-Abend 3. Juni 1962 Abschied von Pfarrer Maginot auf dem Kirchberg. Jung und Alt, alle Vereine, auch die Katholiken der Neuburger Pfarrfiliale haben sich eingefunden. Vielstimmiger Dank schlug ihm entgegen für seine mannigfach gelösten Aufgaben in den Kriegs- und Nachkriegsjahren und sein zwei Jahrzehnte dauerndes Priesterwirken in Berg. Bezirksmusikerfest vom 7.-9. Juli 1962 Herrliches Wetter, Frohsinn und Freundschaft gesellten sich zu einer vorbildlichen Einheit. Unter den vielen Gästevereinen befanden sich die Musikkapellen aus Vordernberg/Österreich und Soultz/Elsaß. 1500 Zeltgäste besagt wohl alles. In der ersten Augustwoche des gleichen Jahres machten die Berger Musikanten mit Anhang den Vordernberger in der Steiermark einen Gegenbesuch mit Besichtigung des dortigen Erzbergwerkes. Wildschwein-Abschuß Von Ende Juli bis Mitte August 1962, innerhalb ganz kurzer Zeit, haben die Berger Jagdpächter in der Gemarkung 17 Wildschweine zur Strecke gebracht. Abschussfreude nach Geschmack der Landwirte, Sauglück für die Jäger. Gemeinsame Holzversteigerung Mit den Nachbargemeinden Neuburg, Hagenbach und Maximiliansau wurde am 20. März 1961 die erste gemeinsame Nutzholzversteigerung bei flottem Absatz und guten Preisen abgehalten. Neuer Festplatz In der 1. Novemberwoche 1962 konnte der mit 200 Jungbirken bepflanzte geräumige Festplatz an der Waldstraße den Vereinen übergeben werden. Nach Lage und Umgebung sucht unser Festplatz seinesgleichen. Grenz-Warenverkehr Der Personen und Warenverkehr an der Grenze Neulauterburg, Ortsteil Berg, ist ein Spiegelbild der deutsch-französischen Wirtschaft. Hunderte von PKW und LKW passieren täglich beidseits die Grenze. Kein Wunder, dass sich für die zollamtlichen Formalitäten vier Speditionen in Neulauterburg niedergelassen haben. Elektro-Heizung in der Kirche Am Sonntag den 22.12.1962 war in der Kirche zum ersten Mal die neu installierte Elektroheizung eingeschaltet. Die Wärme hat trotzdem viele kalt gelassen. Rettungstat Willi Wehr Willi Wehr, Reisigstraße 32 erhielt am 23. Dezember 1962 aus der Hand des Regierungspräsidenten in Neustadt eine Urkunde und 100 DM Geldbelohnung für seine Rettungstat. Er hat in der Rheinströmung unterhalb der Brücke Maximiliansau einen 56jährigen Mann vor dem Ertrinkungstod gerettet, den bereits Bewusstlosen ans Ufer gebracht und an ihm mit Erfolg Wiederbelebungsversuche angewendet. Hut ab vor unserm Mitbürger. Lettische Holzhauer Für die Holzfällung 1962/63 im Gemeindewald ließ sich erstmals keine eigene Holzhauergruppe finden. Diese Arbeit, bisher immer von Einheimischen ausgeführt, musste Facharbeitern lettischer Herkunft übertragen werden, Auswirkungen der Vollbeschäftigung. Frostgefahr im Wasserturm Der starke Frost im Januar 1963 führte an den Wasserschiebern im obersten Teil des Hochbehälters zu gefährlichen Rohr-Kälterissen. Im Eiltempo wurde Holzmaterial auf der 180 Stufentreppe des Wasserturmes hochgeschleppt, die gesprungenen Rohrteile eingeschalt und in dem aus Brettern gezimmerten Innenraum ein elektrisch |